Speculative Design & Design Fiction
Zukünfte greifbar machen, indem man Artefakte aus ihnen baut: Produkte, Anzeigen, Prototypen aus einer Welt, die es noch nicht gibt. Öffnet die Debatte, was wir eigentlich wollen.
Herkunft: Anthony Dunne & Fiona Raby (Speculative Everything, 2013); verwandt: Design Fiction (Bruce Sterling) und Design Futuring (Tony Fry)
Worum es geht
Speculative Design nähert sich der Zukunft über das Machen. Statt sie nur zu analysieren, baut ihr ein Artefakt, das aus ihr stammen könnte: eine Produktverpackung, eine Zeitungsanzeige, ein funktionsloser Prototyp aus einer Welt, die es noch nicht gibt. Das Objekt macht eine mögliche Zukunft anfassbar und provoziert die eigentliche Frage: Wollen wir das überhaupt?
Anthony Dunne und Fiona Raby haben den Ansatz geprägt. Ihr Punkt: Design darf auch Fragen stellen, statt immer nur Probleme zu lösen. Ein gut gebautes spekulatives Objekt löst Diskussion aus, wo eine PowerPoint-Folie nur höfliches Nicken erzeugt.
Verwandt sind Design Fiction (Bruce Sterling) und das breitere Feld Design Futuring (Tony Fry). Allen gemeinsam ist die Idee, mit gestalteten Dingen über Zukünfte zu verhandeln — konkret, sinnlich und diskussionsstark, dort wo abstrakte Trendreports abprallen.
Wann du sie einsetzt
- Eine Zukunftsdebatte bleibt abstrakt — ihr wollt sie anfassbar machen.
- Ihr wollt die Wünschbarkeit einer Technologie oder Richtung hinterfragen, nicht nur die Machbarkeit.
- Stakeholder sollen emotional reagieren statt höflich zu nicken.
- Als kreativer Gegenpol zur analytischen Foresight-Arbeit mit Szenarien und Trends.
Beispielagenda
Ausgangsfrage & Annahme
Ein Thema und eine zugespitzte Zukunftsannahme wählen. Was wäre, wenn …?
Die Welt umreißen
Kurz festlegen, was in dieser Zukunft gilt: Regeln, Technik, Alltag. Nur so viel wie nötig.
Artefakt bauen
Ein Objekt aus dieser Welt gestalten — Anzeige, Verpackung, Gerät, Formular. Roh ist gut genug.
Ausstellen & Reaktionen
Die Artefakte präsentieren, als kämen sie wirklich aus der Zukunft. Reaktionen ungefiltert sammeln.
Rückschluss aufs Heute
Was verraten die Reaktionen über eure heutigen Werte und Entscheidungen? Konsequenzen festhalten.
3-Stunden-Block für 4–16 Personen. Bastelmaterial oder einfache Gestaltungstools bereitstellen — das Objekt muss nicht schön, aber glaubwürdig sein.
Für Methodenjunkies
Eine Methode nach der anderen, ins Postfach.
Der Methoden-Newsletter: pro Ausgabe eine Methode im Steckbrief — was sie kann, wann sie passt, wie du sie im Workshop einsetzt.