Makromethode

Szenariotechnik

Mehrere plausible Zukünfte systematisch durchspielen und die Strategie gegen jede prüfen. Das Arbeitspferd der strategischen Zukunftsarbeit.

Herkunft: Herman Kahn (RAND Corporation); für die Unternehmensstrategie ausgebaut von Pierre Wack bei Royal Dutch Shell

Worum es geht

Die Szenariotechnik beantwortet eine unbequeme Frage: Was, wenn es anders kommt? Statt an einer einzigen Planannahme zu hängen, baut ihr mehrere in sich stimmige Zukunftsbilder und prüft eure Strategie gegen jedes davon. Was in allen Szenarien klug bleibt, ist eine robuste Entscheidung.

Der Kern ist ein einfaches Handwerk: Treiber sammeln, die zwei unsichersten und zugleich wirkmächtigsten herausgreifen, sie zu einem Vier-Felder-Raster kreuzen. Jedes Feld ist eine andere Welt. Die füllt ihr mit Leben, bis sie sich echt anfühlt — mit Schlagzeilen, Gewinnern, Verlierern, einem Namen.

Szenarien sind keine Prognosen. Niemand behauptet, eine davon werde so eintreten. Ihr Wert liegt woanders: Sie machen blinde Flecken sichtbar, legen versteckte Annahmen offen und geben eurer Strategie einen Stresstest, bevor die Realität ihn übernimmt.

Wann du sie einsetzt

  • Eure Planung hängt an einer einzigen Zukunftsannahme, und die wackelt.
  • Große, schwer umkehrbare Entscheidung mit langem Zeithorizont — Investition, Standort, Geschäftsmodell.
  • Ein Team streitet über die Zukunft, ohne die eigenen Annahmen offenzulegen.
  • Ihr wollt eine Strategie vor dem Go-live gegen mehrere Welten prüfen.

Beispielagenda

0–20 Min.

Fokusfrage & Horizont

Welche Entscheidung soll das Ergebnis schärfen, und für welchen Zeitraum? Ohne klare Fokusfrage werden Szenarien beliebig.

20–60 Min.

Treiber sammeln

Einflusskräfte zusammentragen — gesellschaftlich, technologisch, ökonomisch, ökologisch, politisch (STEEP). Erst Menge, dann sichten.

60–90 Min.

Kritische Unsicherheiten wählen

Zwei Treiber herausgreifen, die am wirkmächtigsten und zugleich am unsichersten sind. Sicheres gehört nicht auf die Achsen.

90–100 Min.

Kreuzen

Die zwei Unsicherheiten zu einem Vier-Felder-Raster kreuzen. Vier Ausgangspunkte für vier Welten.

100–160 Min.

Szenarien ausarbeiten

In Kleingruppen je ein Feld ausmalen: Wie sieht diese Welt aus, wer gewinnt, was ist der Titel? Bis sie plausibel wird.

160–190 Min.

Implikationen & robuste Optionen

Welche Strategie hält in allen vier Welten? Wo braucht es Wetten je Szenario? Frühwarnsignale festlegen.

Halbtags-Block für 6–16 Personen. Für belastbare Szenarien mehr Zeit und etwas Vorrecherche zu den Treibern einplanen — der Rohbau entsteht am Tag, die Reife danach.

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