Entrepreneurship Compass · Wertversprechen · Feld „Nutzen“
Nutzen testen mit fünf Gesprächen
Finde heraus, ob dein Nutzen wirklich zählt — bevor du ihn baust.
„Findest du das gut?" ist die teuerste Frage im Unternehmertum. Die Leute sind nett, sagen Ja, und du lernst nichts. Fünf richtig geführte Gespräche zeigen dir dagegen, ob dein Angebot ein echtes Problem trifft — in den Worten der Menschen, nicht in deinen.
Rob Fitzpatrick hat für dieses Problem einen brauchbaren Namen geprägt: den Mom Test. Die Idee ist, Fragen so zu bauen, dass selbst deine Mutter dich nicht anlügen könnte — weil du sie gar nicht nach ihrer Meinung fragst. Seine drei Regeln:
- Über ihr Leben reden, nicht über deine Idee. Solange dein Vorhaben nicht auf dem Tisch liegt, gibt es nichts, was man höflich loben könnte.
- Nach Konkretem in der Vergangenheit fragen, nicht nach Meinungen über die Zukunft. „Was hast du letzten Monat deswegen getan?" liefert Fakten, „würdest du das nutzen?" liefert Wunschdenken.
- Weniger reden, mehr zuhören. Wer erklärt, verkauft. Wer fragt, lernt.
Der Grund, warum das nötig ist: Leute lügen nicht aus Bosheit, sondern aus Freundlichkeit. Sie sehen, dass dir etwas an der Sache liegt, und wollen dich nicht bremsen. Genau diese Höflichkeit hat schon Firmen in die Wand gefahren.
Mom Test: Rob Fitzpatrick, „The Mom Test" (2013). Die Gesprächsführung entlang des Wechsel-Moments unten geht auf die Switch-Interviews von Bob Moesta zurück.
1 Wen du fragst
Fünf Menschen, die das Problem plausibel haben. Nicht deine Freunde, die dir gefallen wollen — Leute aus der echten Zielgruppe. Lieber ein ehrliches Nein als fünf nette Ja.
2 Drei Regeln, bevor du loslegst
- Frag nach der Vergangenheit, nicht nach der Meinung. „Wann hattest du das zuletzt?" schlägt „würdest du …?".
- Halt die Klappe. Stille aushalten. Die zweite Antwort ist meist die ehrliche.
- Erwähn dein Produkt erst, wenn sie das Problem beschrieben haben. Sonst redest du, statt zu lernen.
Und eine vierte, die weh tut: Bitte am Ende jedes Gesprächs um etwas Echtes — eine Weiterempfehlung an jemanden mit demselben Problem, einen Termin, eine Vorbestellung. Ein Ja auf eine echte Bitte ist mehr wert als jedes Lob. Ein Ausweichen sagt dir genauso viel.
3 Der Leitfaden — fünf Fragen
- Erzähl mir vom letzten Mal, als [das Problem] aufkam. Was ist passiert?
- Was hast du dann gemacht? (Wie löst du es heute, und sei es ein Workaround?)
- Was war daran das Nervigste?
- Hast du schon mal etwas dagegen versucht — Zeit oder Geld reingesteckt? Was hat nicht funktioniert?
- Wenn das Problem weg wäre — was wäre dann konkret anders für dich?
4 Notizen — ein:e Gesprächspartner:in pro Zeile
5 Auswertung — Muster suchen
6 Wie stark ist das Signal wirklich?
Nicht jede Aussage wiegt gleich. Sortier ein, was du gehört hast — von unten nach oben wird es ernst. Alles ab Stufe 3 ist Wissen, alles darunter ist Stimmung.
| 5 | Hat Geld ausgegeben | Gekauft, angezahlt, ein anderes Werkzeug abonniert — auch wenn es schlecht war. |
| 4 | Hat Arbeit investiert | Eigene Excel gebaut, Prozess drumherum erfunden, jemanden dafür freigestellt. |
| 3 | Hat aktiv gesucht | Gegoogelt, Angebote eingeholt, Kolleg:innen gefragt. |
| 2 | Ärgert sich | Kann das Problem gut beschreiben, hat aber nichts unternommen. |
| 1 | Findet es interessant | „Klingt praktisch." Nett gemeint, wertlos als Beleg. |
„Ich hab mir extra eine Excel gebastelt und trotzdem zweimal die Frist verpasst" — das ist Gold: echtes Problem, eigener Workaround, schon Aufwand investiert. „Klingt praktisch" ist dagegen wertlos.
Drei Stolperfallen
- Suggestivfragen. „Wäre es nicht toll, wenn …?" produziert nur Ja. Frag offen.
- Die falschen Leute. Freunde und Familie wollen dich glücklich machen, nicht informieren.
- Selektives Hören. Du suchst Bestätigung und überhörst das Nein. Notier wörtlich, dann kannst du nicht schönreden.
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Dieses Blatt gehört zur Etappe Wertversprechen der Standortbestimmung. Dort geht es weiter — mit deinem Stand, deiner Diagnose und dem nächsten Schritt.
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