Polynesisches Segeln
Kurs finden bei ungewissem Ausgang: sich an den eigenen Ressourcen orientieren statt an fixen Zielen — wie polynesische Seefahrer, die ohne Karte und Kompass neues Land fanden.
Herkunft: Gunther Schmidt (Metapher); basiert auf der Effectuation-Forschung von Saras Sarasvathy
Worum es geht
Polynesische Seefahrer navigierten tausende Kilometer über offenes Meer — ohne Karten, ohne Kompass. Sie lasen Wind, Wellen und Sterne und passten ihren Kurs permanent an. Der Systemtheoretiker Gunther Schmidt hat daraus eine Metapher für den Umgang mit Ungewissheit geprägt: navigieren statt planen, Handlungsspielräume erweitern statt Ergebnisse kontrollieren.
Der Kern sind vier Fragen: Wer bin ich? Was kann ich? Wen kenne ich? Was kann ich tun? Aus den eigenen Ressourcen entstehen veränderliche Ziele — statt umgekehrt aus einem fixen Ziel einen Ressourcenbedarf abzuleiten. Das Ziel wirkt dabei wie ein Polarstern: Es gibt Orientierung, ohne erreicht werden zu müssen.
Die Methode wirkt auf zwei Ebenen: individuell als Krisen-Navigation (Beobachterhaltung, innere Erlebnisräume, Entscheidungen unter Unsicherheit) und organisational als Führungs- und Teamansatz, wenn Pläne ins Leere greifen. Wer die härtere, unternehmerische Gangart sucht, findet sie im Piratize-Framework.
Wann du sie einsetzt
- Ein Team steckt in einer Lage, in der Planung ins Leere greift — Krise, Umbruch, unklare Zukunft.
- Strikte Ziele erzeugen gerade mehr Lähmung als Orientierung.
- Ihr wollt von der Problem- in die Ressourcen-Perspektive wechseln.
- Als Auftakt, bevor Effectuation oder Piratize vertieft werden.
Beispielagenda
Check-in: Wo drückt die Ungewissheit?
Ankommen und eine Frage: Welche Situation fühlt sich gerade unplanbar an? Kurz benennen, nicht lösen.
Impuls: Polynesisch navigieren
Die Metapher: ohne Karte Land finden — Umwelt lesen, Kurs permanent anpassen, Ziel als Richtung statt als Ergebnis.
Beobachterhaltung aufbauen
Abstand zur Krise gewinnen: Welcher Teil von mir steckt drin, welcher schaut zu? In Paaren teilen, was teilbar ist.
Pause
Durchatmen — gleich wird inventarisiert.
Ressourcen-Kompass: die vier Fragen
Wer bin ich? Was kann ich? Wen kenne ich? Was kann ich tun? In Paaren durchgehen — nur fragen, nicht beraten.
Entscheiden unter Unsicherheit
Eine anstehende Entscheidung wählen: Was ist gut genug, was kann ich verschmerzen, wie begegne ich meinem Zukunfts-Ich wohlwollend?
Erster Wegpunkt
Jede:r setzt einen erreichbaren nächsten Wegpunkt — klein, konkret, diese Woche machbar.
2,5-Stunden-Runde für 4–12 Personen. Funktioniert im Team wie im Einzel-Coaching-Kontext; die Übungen stehen auch einzeln.
Für Methodenjunkies
Eine Methode nach der anderen, ins Postfach.
Der Methoden-Newsletter: pro Ausgabe eine Methode im Steckbrief — was sie kann, wann sie passt, wie du sie im Workshop einsetzt.