Makromethode

Polynesisches Segeln

Kurs finden bei ungewissem Ausgang: sich an den eigenen Ressourcen orientieren statt an fixen Zielen — wie polynesische Seefahrer, die ohne Karte und Kompass neues Land fanden.

Herkunft: Gunther Schmidt (Metapher); basiert auf der Effectuation-Forschung von Saras Sarasvathy

Worum es geht

Polynesische Seefahrer navigierten tausende Kilometer über offenes Meer — ohne Karten, ohne Kompass. Sie lasen Wind, Wellen und Sterne und passten ihren Kurs permanent an. Der Systemtheoretiker Gunther Schmidt hat daraus eine Metapher für den Umgang mit Ungewissheit geprägt: navigieren statt planen, Handlungsspielräume erweitern statt Ergebnisse kontrollieren.

Der Kern sind vier Fragen: Wer bin ich? Was kann ich? Wen kenne ich? Was kann ich tun? Aus den eigenen Ressourcen entstehen veränderliche Ziele — statt umgekehrt aus einem fixen Ziel einen Ressourcenbedarf abzuleiten. Das Ziel wirkt dabei wie ein Polarstern: Es gibt Orientierung, ohne erreicht werden zu müssen.

Die Methode wirkt auf zwei Ebenen: individuell als Krisen-Navigation (Beobachterhaltung, innere Erlebnisräume, Entscheidungen unter Unsicherheit) und organisational als Führungs- und Teamansatz, wenn Pläne ins Leere greifen. Wer die härtere, unternehmerische Gangart sucht, findet sie im Piratize-Framework.

Wann du sie einsetzt

  • Ein Team steckt in einer Lage, in der Planung ins Leere greift — Krise, Umbruch, unklare Zukunft.
  • Strikte Ziele erzeugen gerade mehr Lähmung als Orientierung.
  • Ihr wollt von der Problem- in die Ressourcen-Perspektive wechseln.
  • Als Auftakt, bevor Effectuation oder Piratize vertieft werden.

Beispielagenda

0–15 Min.

Check-in: Wo drückt die Ungewissheit?

Ankommen und eine Frage: Welche Situation fühlt sich gerade unplanbar an? Kurz benennen, nicht lösen.

15–35 Min.

Impuls: Polynesisch navigieren

Die Metapher: ohne Karte Land finden — Umwelt lesen, Kurs permanent anpassen, Ziel als Richtung statt als Ergebnis.

35–60 Min.

Beobachterhaltung aufbauen

Abstand zur Krise gewinnen: Welcher Teil von mir steckt drin, welcher schaut zu? In Paaren teilen, was teilbar ist.

60–70 Min.

Pause

Durchatmen — gleich wird inventarisiert.

70–105 Min.

Ressourcen-Kompass: die vier Fragen

Wer bin ich? Was kann ich? Wen kenne ich? Was kann ich tun? In Paaren durchgehen — nur fragen, nicht beraten.

105–130 Min.

Entscheiden unter Unsicherheit

Eine anstehende Entscheidung wählen: Was ist gut genug, was kann ich verschmerzen, wie begegne ich meinem Zukunfts-Ich wohlwollend?

130–150 Min.

Erster Wegpunkt

Jede:r setzt einen erreichbaren nächsten Wegpunkt — klein, konkret, diese Woche machbar.

2,5-Stunden-Runde für 4–12 Personen. Funktioniert im Team wie im Einzel-Coaching-Kontext; die Übungen stehen auch einzeln.

Für Methodenjunkies

Eine Methode nach der anderen, ins Postfach.

Der Methoden-Newsletter: pro Ausgabe eine Methode im Steckbrief — was sie kann, wann sie passt, wie du sie im Workshop einsetzt.