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Design Thinking

09. Februar 2024 · Aktualisiert: 15. Juli 2026 · 7 Min. Lesezeit

Design Thinking Methode: Design Challenge – Problemfrage richtig formulieren

Die Design Challenge ist die Problemfrage, mit der jeder Design-Thinking-Workshop steht oder fällt. So formulierst du sie richtig: nicht zu eng, nicht zu weit — mit Formel, Kriterien und Beispielen.

Die Design Challenge ist der Satz, mit dem dein Design-Thinking-Workshop steht oder fällt. Sie steckt ab, woran das Team arbeitet und wie viel Spielraum es dabei hat. Ist die Frage zu eng, presst ihr euch in eine Lösung, die längst feststeht. Ist sie zu weit, verliert sich das Team im Nebel. Dieser Guide zeigt dir Schritt für Schritt, wie du deine Problemfrage so formulierst, dass sie das Team durch den ganzen Prozess führt: mit klarer Formel, Kriterien-Check und Beispielen zum Abgucken.

Was ist eine Design Challenge im Design Thinking?

Eine Design Challenge (auch Design-Thinking-Challenge oder Problemfrage genannt) ist der initiale Satz, mit dem ein Team in ein Innovationsprojekt startet. Sie gibt eine Richtung vor, benennt Zielgruppe und Kontext und öffnet einen Problem- oder Möglichkeitsraum, ohne die Lösung schon vorwegzunehmen. Man kann sie als offene Frage oder als Auftrag formulieren, meist im Format „Wie können wir …?".

Der entscheidende Punkt: Eine gute Design Challenge legt nicht fest, was am Ende herauskommt. Sie erlaubt richtige und falsche Wege, statt eine einzige Antwort zu erzwingen. Genau darin unterscheidet sie sich von einem klassischen Projektauftrag, der oft schon die Lösung mitliefert („Baut uns eine App, die …").

Warum die richtige Problemfrage über alles Weitere entscheidet

Die Formulierung der Challenge ist der wichtigste Hebel im gesamten Prozess, weil sie den Suchraum für alles Folgende definiert. Jede Recherche, jedes Interview, jede Idee bezieht sich zurück auf diesen einen Satz. Sitzt er schief, arbeitet das ganze Team an der falschen Sache, oft ohne es zu merken.

Dabei gibt es zwei typische Kipppunkte:

  • Zu konkret: Die Challenge nennt schon die Lösung. Das Team hat nichts mehr zu entdecken, verliert die Motivation und produziert Naheliegendes.
  • Zu offen: Die Challenge ist so weit gefasst, dass niemand weiß, wo er anfangen soll. Das Team zerfasert, die Diskussionen drehen sich im Kreis, das Projekt wird unsteuerbar.

Eine gut kalibrierte Challenge hält die Spannung dazwischen: eng genug für Fokus, offen genug für echte Entdeckung. Sie lässt das Team unbekannte Bedürfnisse und Chancen finden, statt schon bekannte Antworten abzuarbeiten.

Wie formulierst du eine gute Design Challenge?

Eine tragfähige Design Challenge erfüllt fünf Kriterien. Nutze sie als Checkliste, bevor ihr in den Workshop startet:

  • Aus Nutzerperspektive gedacht. Die Frage dreht sich um ein menschliches Bedürfnis, nicht um ein Unternehmensziel. „Umsatz steigern" ist keine Challenge, „Pendlern den Arbeitsweg erleichtern" schon.
  • Ohne eingebaute Lösung. Wenn im Satz schon eine App, ein Produkt oder ein Feature steht, hast du den Lösungsraum zugemacht, bevor er offen war.
  • Offen für viele Wege. Es gibt keine einzelne „richtige" Antwort. Die Frage lädt zu mehreren, sehr verschiedenen Lösungsansätzen ein.
  • Relevant und überprüfbar. Es lohnt sich aus Sicht mehrerer Nutzer, an dem Problem zu arbeiten, und ihr könnt es tatsächlich untersuchen.
  • Machbar im gegebenen Rahmen. Wissen, Fähigkeiten, Zeit, Budget und Zugang zur Zielgruppe passen zur Größe der Challenge.

Ein schneller Test: Beantworte für deinen Entwurf drei Fragen. Macht es aus Nutzersicht Sinn, an dem Problem zu arbeiten? Sind mehrere Menschen betroffen? Erlaubt die Challenge ein breites Lösungsspektrum? Dreimal „Ja" ist ein gutes Zeichen.

Die Design-Challenge-Formel

Wenn du nicht weißt, wo du anfangen sollst, nimm diese Vorlage. Sie zwingt dich, Zielgruppe, Ziel und Wirkung sauber zu trennen:

„Wie können wir für [Zielgruppe] [ein Bedürfnis / eine Situation verbessern], sodass [gewünschte Wirkung]?"

Ausgefüllt sieht das so aus:

„Wie können wir für Pendler:innen die tägliche Fahrt mit öffentlichen Verkehrsmitteln angenehmer gestalten, sodass sie die Zeit als gewonnen statt verloren erleben?"

Die Zielgruppe ist benannt, die Situation ist konkret, die Wirkung ist ein Bedürfnis und keine fertige Lösung. Das Team kann in viele Richtungen denken: App, Sitzkonzept, Ritual, Community, Fahrplan. Genau das ist der Job der Formel.

Der Sweet Spot: nicht zu eng, nicht zu weit

Der beste Weg, ein Gefühl für die richtige Flughöhe zu bekommen: dieselbe Idee auf drei Zoomstufen. Nimm das Pendler-Beispiel:

  • Zu eng: „Wie können wir eine App bauen, die Pendlern freie Sitzplätze anzeigt?" — Die Lösung steht schon im Satz. Es bleibt nichts zu erforschen.
  • Genau richtig: „Wie können wir Pendlern die tägliche Fahrt angenehmer machen?" — Fokus auf ein echtes Bedürfnis, viele Lösungswege offen.
  • Zu weit: „Wie können wir Mobilität in Städten verbessern?" — Klingt groß, ist aber unbearbeitbar. Wo fängt man an, wo hört man auf?

Wenn deine Challenge sich wie die mittlere Variante liest, bist du auf Kurs. Merkst du beim Vorlesen, dass schon eine Lösung mitschwingt, zoome raus. Weißt du nicht, wen die Frage überhaupt betrifft, zoome rein.

Gute und schlechte Design Challenges im Vergleich

Drei Beispiele, die funktionieren:

  • „Wie können wir älteren Menschen helfen, digitale Behördengänge ohne Frust zu erledigen?"
  • „Wie können wir Erstsemestern den Einstieg an der Uni erleichtern, sodass sie sich schneller zugehörig fühlen?"
  • „Wie können wir Familien den wöchentlichen Einkauf so gestalten, dass weniger Lebensmittel im Müll landen?"

Und drei, die es nicht tun — mit dem Grund dahinter:

  • „Wie können wir unseren Marktanteil um 10 % steigern?" — Unternehmensziel statt Nutzerbedürfnis. Kein Mensch kommt darin vor.
  • „Wie können wir eine KI-Chatbot-Lösung im Kundenservice einführen?" — Die Lösung ist schon entschieden. Bleibt nur noch Umsetzung.
  • „Wie können wir die Welt nachhaltiger machen?" — So weit, dass jede Antwort passt und keine hilft.

Die häufigsten Fehler beim Formulieren

  • Die Lösung schmuggelt sich rein. Sobald ein konkretes Produkt im Satz steht, ist die Suche vorbei. Streiche jedes Substantiv, das nach fertiger Lösung klingt.
  • Niemand ist gemeint. Ohne klare Zielgruppe recherchiert das Team ins Blaue. Immer benennen, für wen ihr das löst.
  • Zu viele Themen auf einmal. Eine Challenge, ein Fokus. Wenn du „und" schreibst, hast du wahrscheinlich zwei Challenges.
  • Bewertung eingebaut. Wörter wie „besser", „einfacher", „schneller" drücken schon eine Richtung auf. Beschreibe das Bedürfnis, nicht die gewünschte Verbesserung.
  • Am Team vorbei. Eine perfekte Challenge nützt nichts, wenn Zeit, Budget oder Zugang zur Zielgruppe fehlen. Kalibriere die Größe an eurem realen Rahmen.

Design Challenge, How-Might-We-Frage oder POV — was wann?

Die Begriffe werden oft durcheinandergeworfen. So ordnest du sie ein:

  • Die Design Challenge steht am Anfang. Sie ist der grobe Rahmen fürs ganze Projekt, formuliert vor der Recherche.
  • Das POV-Statement kommt später, nach der Recherche. Es verdichtet, was ihr über eine konkrete Person und ihr Bedürfnis gelernt habt.
  • Die How-Might-We-Frage (Wie-können-wir-Frage) übersetzt dieses POV in eine oder mehrere konkrete Fragen fürs Brainstorming.

Kurz: Die Design Challenge öffnet das Projekt, POV und HMW schärfen es nach der ersten Erkenntnis nach. Alle drei arbeiten mit demselben „Wie können wir …?"-Reflex, nur auf unterschiedlicher Flughöhe.

Häufige Fragen zur Design Challenge

Was ist eine Design Challenge im Design Thinking?

Eine Design Challenge ist der initiale Satz, mit dem ein Team in ein Design-Thinking-Projekt startet. Sie gibt Zielgruppe, Kontext und Richtung vor und öffnet einen Problemraum, ohne die Lösung schon festzulegen. Meist steht sie im Format „Wie können wir …?".

Wie formuliert man eine gute Design Challenge?

Aus Nutzerperspektive, ohne eingebaute Lösung, offen für viele Wege, relevant für mehrere Menschen und machbar im gegebenen Rahmen. Als Vorlage hilft: „Wie können wir für [Zielgruppe] [Situation verbessern], sodass [Wirkung]?"

Was ist der Unterschied zwischen Design Challenge und How-Might-We-Frage?

Die Design Challenge steht am Anfang und rahmt das ganze Projekt, noch vor der Recherche. Die How-Might-We-Frage kommt später und übersetzt eine konkrete Erkenntnis in eine spitze Frage fürs Brainstorming. Die Challenge ist der Rahmen, die HMW-Frage der Fokus darin.

Wie lang sollte eine Design Challenge sein?

Ein Satz. Wenn du mehr als einen Satz brauchst oder ein „und" einbaust, steckt vermutlich mehr als eine Challenge drin. Teile sie dann auf und entscheide dich für einen Fokus.

Was macht eine schlechte Design Challenge aus?

Sie nennt entweder schon die Lösung („Baut eine App, die …"), verfolgt ein reines Unternehmensziel ohne Nutzer, oder ist so weit gefasst, dass niemand weiß, wo er anfangen soll. Alle drei nehmen dem Team den Raum zum Entdecken.

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