Entrepreneurship Compass · Wertschöpfung · Feld „Liefern

Den eigenen Ablauf aufschreiben

Solange dein Ablauf nur in deinem Kopf existiert, bist du der Engpass.

Ein Krankheitstag, ein Urlaub, ein voller Kalender — und alles steht. Dein Team ist nicht unfähig. Das Wissen, wie es geht, steckt schlicht nur in dir. Der erste Schritt raus aus dieser Falle ist unspektakulär: einmal aufschreiben, was du eigentlich tust. Genau das machst du hier.

Der Kern: Aufschreiben ist nicht Bürokratie — es ist eine Röntgenaufnahme. Du siehst zum ersten Mal, an welchen Stellen dein ganzes Gewicht hängt. Und ein aufgeschriebener Schritt ist ein übergebbarer Schritt.

1 Wähl deinen Kernablauf

Nicht alles auf einmal. Der eine Ablauf, der dein Geld verdient: von der Bestellung (oder dem Auftrag) bis zur Lieferung.

Mein Kernablauf: von … bis …

2 Schreib jeden Schritt auf

So konkret, dass eine neue Kollegin es nachvollziehen könnte. Wenn du bei einem Schritt denkst „das ist zu kompliziert zum Aufschreiben" — genau der ist dein Risiko.

#Was passiert?Wer macht es?Womit? (Werkzeug, Datei, Maschine)Was kann schiefgehen?
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3 Markier die „Nur ich"-Schritte

Kreis um jede Zeile, in der bei „Wer macht es?" nur du stehst — oder eine einzige andere Person. Das ist deine Engpass-Landkarte. Und wirf einen zweiten Blick auf die Übergänge zwischen den Schritten: Greifen sie sauber ineinander, oder kämpft jeder Teil für sich? Oft hakt es nicht in den Schritten — es hakt dazwischen.

Der Schritt mit dem größten „Nur ich"-Gewicht ist:

4 Mach aus dem Engpass ein Rezept

Nimm genau diesen einen Schritt und schreib ihn wie ein Kochrezept — auf ein eigenes Blatt oder hier:

Was man braucht (Material, Zugänge, Vorwissen)
Reihenfolge (1, 2, 3 … — jede Handlung eine Zeile)
Woran erkennt man, dass es gut ist? (Das vergessen fast alle — und genau daran scheitert die Übergabe.)
So sieht das aus — bei Ben (Kaffeerösterei, vier Leute)

Nur Ben konnte rösten. Als er zwei Wochen krank war, lief das Café weiter — aber die Regale waren leer, es gab nichts zu verkaufen.

Danach hat er sein Röstprofil aufgeschrieben: Temperaturkurve, Zeiten, und — entscheidend — woran man hört und riecht, dass der Röstgrad stimmt. Mit diesem Rezept hat er seine Mitarbeiterin angelernt. Heute röstet sie jeden zweiten Tag, und Ben kann auch mal weg sein.

5 Der Übergabe-Test

Ein Rezept ist erst fertig, wenn es jemand anders kochen kann:
Lass eine Person den Schritt nur mit deinem Rezept ausführen. Du schaust zu — und sagst nichts.
Notier jede Stelle, an der sie stockt oder dich fragend anschaut. Das sind die Lücken im Rezept, nicht ihre Fehler.
Rezept nachbessern, in zwei Wochen wiederholen.

Drei Stolperfallen

  • Zu grob aufschreiben. „Dann wird produziert" ist kein Schritt, das ist ein Kapitel. Wenn ein Schritt länger als 15 Minuten dauert, zerleg ihn.
  • Das Gut-Kriterium weglassen. Die Handgriffe kann man zeigen — aber woran man erkennt, dass es gut ist, steckt in deinem Gefühl. Genau das gehört aufs Papier.
  • Aufschreiben und ablegen. Ein Rezept im Ordner hilft niemandem. Es ist erst fertig, wenn es einmal ohne dich funktioniert hat.

Zurück ins Werkzeug

Dieses Blatt gehört zur Etappe Wertschöpfung der Standortbestimmung. Dort geht es weiter — mit deinem Stand, deiner Diagnose und dem nächsten Schritt.

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