Entrepreneurship Compass · Wertschöpfung · Feld „Beziehung

Was bleibt pro Verkauf übrig

Eine Zahl entscheidet, ob dein Laden sich rechnet. Die meisten kennen sie nicht.

Umsatz fühlt sich gut an. Aber Umsatz ist nicht das, was du behältst — und viele Betriebe sind „immer ausgebucht" und trotzdem am Monatsende blank. Die Zahl, die zählt, heißt: Was bleibt bei einem typischen Verkauf übrig, wenn alle direkten Kosten ehrlich abgezogen sind? Die rechnest du hier aus. Eine Stunde, ein Taschenrechner, keine BWL nötig.

Der Kern: Rechne pro Produkt, nicht über alles. Der Durchschnitt deines Kontos verrät dir nie, welches Angebot dein Geld verdient und welches dich heimlich Geld kostet. Genau dieses Wissen ist der Unterschied zwischen Steuern und Hoffen.

1 Wähl dein typisches Angebot

Ein Produkt oder ein typischer Auftrag — das, was du am häufigsten verkaufst. (Danach lohnt sich die gleiche Rechnung für jedes weitere.)

2 Der ehrliche Preis

Was wirklich gezahlt wird — nach Rabatt, Skonto, „für dich mach ich es günstiger":

3 Die direkten Kosten — alle

Alles, was dieser eine Verkauf verursacht. Die Zeile, die fast alle weglassen, ist die zweite — und sie ist meistens die größte:

Posten
Material / Wareneinkauf
Deine Arbeitszeit (Stunden × ehrlicher Stundensatz — auch Anfahrt, Vorbereitung, Nacharbeit, Kommunikation)
Verpackung / Versand / Fahrtkosten
Gebühren (Zahlungsanbieter, Plattform, Provision)
Schwund-Anteil (Ausschuss, Retouren, Reklamation — auf den einzelnen Verkauf umgelegt)
Summe direkte Kosten
Preis − direkte Kosten = was pro Verkauf übrig bleibt

4 Reicht das zum Leben?

Das Übrige pro Verkauf muss deine Fixkosten und dein Gehalt decken:

Posten pro Monat
Fixkosten (Miete, Versicherung, Software, Leasing, Buchhaltung …)
Dein Gehalt (was du wirklich zum Leben brauchst — nicht „was halt übrig bleibt")
Muss pro Monat reinkommen
Diese Summe ÷ „übrig pro Verkauf" = so viele Verkäufe brauchst du im Monat
Und jetzt der Realitätscheck: Wie viele schaffst du heute tatsächlich?
So sieht das aus — bei Ben (Kaffeerösterei mit Café, vier Leute)

Das Café war immer voll — und am Monatsende blieb trotzdem nichts. Erst als Ben pro Produkt nachrechnete, sah er es: Der Mittagstisch brachte 9 € pro Essen, kostete aber mit Einkauf und Arbeitszeit 11 €. Jeder verkaufte Teller machte 2 € Verlust — je voller das Café, desto schlimmer. Der Bohnenverkauf dagegen trug still die ganze Marge.

Mittagstisch gestrichen, Bohnen nach vorn. Gleicher Laden, gleiche Leute — plötzlich Puffer.

5 Wenn die Rechnung nicht aufgeht: drei Hebel

In dieser Reihenfolge prüfen — und ankreuzen, welcher bei dir am beweglichsten ist:

Preis rauf. Der schnellste Hebel, und der mit der meisten Angst besetzt. Wann hast du zuletzt erhöht? Was würde bei +10 % wirklich passieren — und bei wie vielen Kund:innen?
Kosten pro Stück runter. Einkauf verhandeln, Arbeitsschritte vereinfachen, Schwund senken. Aber Vorsicht: nicht an der Stelle sparen, für die die Leute zu dir kommen.
Öfter an dieselben verkaufen. Der unterschätzte Hebel: Ein zweiter Kauf kostet dich fast keine Akquise — siehe Feld „Beziehung".

Drei Stolperfallen

  • Die eigene Zeit mit null rechnen. „Das mach ich ja sowieso" — dann subventionierst du deine Kund:innen mit deinem Feierabend. Ehrlicher Stundensatz, immer.
  • Über alles mitteln. Ein Gewinnbringer und ein Verlustbringer ergeben im Schnitt „läuft ganz okay" — und genau so bleibt der Verlustbringer jahrelang unentdeckt.
  • Einmal rechnen, nie wieder. Einkaufspreise steigen, deine Geschwindigkeit ändert sich. Die Rechnung gehört zweimal im Jahr auf den Tisch.

Zurück ins Werkzeug

Dieses Blatt gehört zur Etappe Wertschöpfung der Standortbestimmung. Dort geht es weiter — mit deinem Stand, deiner Diagnose und dem nächsten Schritt.

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