Case 07 · TfT PublicLandeshauptstadt Potsdam · Arbeitskreis StadtSpuren · TfT Public
Welche Zukunft hat ein Großwohngebiet, wenn die Menschen, die dort wohnen, sie selbst entwerfen?
Eine Vision „Schlaatz 2030“ aus Interviews im Quartier, mit Quick Wins für den nächsten Tag.
- Kunde
- Arbeitskreis StadtSpuren (ProPotsdam, pbg, WG „Karl Marx“, PWG 1956) in Kooperation mit der Landeshauptstadt Potsdam
- Kontext
- Stadtentwicklung · Leitbild für ein Großwohngebiet der 1980er Jahre mit rund 10.000 Einwohner:innen
- Zeitraum
- Oktober 2017 · Werkstattverfahren vom 10. bis 13. Oktober
- Umfang
- Vier Werkstatttage vor Ort · Interviews im Vorfeld · öffentliche Präsentation · eines von vier Teams
- Methoden
- Design Thinking · qualitative Interviews · teilnehmende Beobachtung · Analogie-Recherche · Skizzen-Prototypen, vor Ort getestet
- Team
- Tinyhouse University Berlin (Architektur, Urban Design, Sozialmanagement) · Simon Steiner für Tools for Tomorrow
Ausgangslage
Der Schlaatz ist ein Großwohngebiet aus den 1980er Jahren im Süden Potsdams: rund 10.000 Menschen, der jüngste Stadtteil der Stadt, Arbeitslosigkeit und Transferleistungen deutlich über dem Stadtschnitt. Vier Wohnungsunternehmen halten knapp 85 Prozent der Wohnungen.
Seit 2007 lief das Programm Soziale Stadt. Trotzdem galt das Viertel in Potsdam als Problemviertel, und die Bewohner:innen beschrieben ihren Stadtteil widersprüchlich: grün, günstig, jung und gut angebunden, zugleich ohne Treffpunkte und mit Reibung in den Nachbarschaften.
Die vier Wohnungsunternehmen wollten ein Leitbild für 2030 und schrieben dafür eine Visionenwerkstatt aus: vier interdisziplinäre Teams, vier Tage, offenes Ergebnis. Wir bewarben uns im Team der Tinyhouse University Berlin, mit einem Tiny House als mobilem Büro mitten im Quartier.
Vorgehen
- 1Zuhören, bevor jemand zeichnet. Qualitative Interviews mit Bewohner:innen im Vorfeld, teilnehmende Beobachtung dort, wo der Alltag stattfindet: Supermarkt, Parkplatz, Wiese, Haltestelle.
- 2Aussagen verdichten. Aus den O-Tönen wurden Potenzialfelder: Gesellschaftsräume, Kleinstgewerbe und Selbstverwaltung, Beschäftigung, Grün, Mobilität, Sicherheit, Image, Co-Being.
- 3Zwei Ebenen auseinanderhalten. Baulich-räumlich (Bestand, Freiraum, Wege, Wasser) und sozial-interaktiv (wer trifft wen, wer darf was). Jede Idee musste auf beiden Ebenen etwas bewegen.
- 4Skizzieren und vor Ort testen. Prototypen als Zeichnungen und Modelle, Rückmeldungen aus dem Quartier eingearbeitet, am dritten Tag öffentliche Präsentation vor Stadt, Wohnungswirtschaft und Nachbarschaft.
Ergebnis
- Eine Vision unter dem Titel „Potenziale wachsen lassen“: Entwicklung entlang dessen, was im Quartier schon da ist.
- Wasserpromenade an der Nuthe und Lichtpromenade durchs Quartier als neue Achsen.
- Begrünte Fassaden mit vorgesetzten Wintergärten.
- Zwischennutzungen für Gründer:innen: kleine Gewerbeeinheiten für Menschen aus dem Viertel, die einen Raum für ihr Können suchen.
- Quick Wins, die ohne Bauantrag gehen, etwa getrennte Bereiche für Hunde und Kinder.
Die Werkstatt war der Auftakt. Stadt und Wohnungsunternehmen führten den Prozess mit Akteurskonferenzen 2018, einem Zukunftslabor 2020 und dem Integrierten Entwicklungskonzept „Schlaatz_2030“ weiter. Für uns wurde aus der kleinen Gewerbe-Mall die Kleine Zeile.
Was daraus wurde
Die Kleine Zeile
Die Idee der kleinen Gewerbe-Mall haben wir seitdem zu einem eigenen Konzept ausgebaut: eine Mini-Ladenzeile aus modularen Tiny Houses, Module um 10 m², unter 200 € im Monat, für Menschen aus dem Viertel mit einem eigenen Vorhaben.
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