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Design Thinking

03. Oktober 2026 · 4 Min. Lesezeit

Design Thinking im Gesundheitswesen: Versorgung von Patientinnen, Patienten und Personal her entwickeln

Im Gesundheitswesen wird vieles nach Abrechnungslogik, Zuständigkeit und Vorschrift gestaltet. Wie sich ein Ablauf für Patientinnen, Angehörige und Personal anfühlt, fragt selten jemand systematisch. Hier steht, wofür Design Thinking in Kliniken, Praxen und Pflege eingesetzt wird, was in der Gesundheitsbranche anders ist und wie ein Prozess beginnt.

Ein Krankenhausaufenthalt besteht für Patientinnen und Patienten aus vielen kleinen Momenten: die Aufnahme, das Warten, das Gespräch mit der Ärztin, die Entlassung, der Übergang nach Hause. Für das Krankenhaus besteht er aus Fallpauschalen, Stationen und Dokumentationspflichten. Zwischen diesen beiden Sichten entstehen viele Probleme, die sich mit mehr Personal allein nicht lösen lassen. Design Thinking setzt bei der ersten Sicht an. Es fragt, wie ein Ablauf für die Menschen aussieht, die ihn erleben, und entwickelt Verbesserungen, die im Alltag einer Station oder Praxis funktionieren.

Wofür Design Thinking im Gesundheitswesen eingesetzt wird

  • Abläufe aus Patientensicht. Aufnahme, Wartezeiten, Entlassmanagement, Terminvergabe. Eine Patient Journey zeigt die Stellen, an denen Menschen verunsichert sind oder verloren gehen. Wie man eine Journey erstellt, steht im Artikel über User Journey Mapping.
  • Arbeitsplätze für das Personal. Übergaben, Dienstpläne, Wege auf der Station, Dokumentation. Pflegekräfte und Ärzte sind die Nutzerinnen und Nutzer ihres Arbeitsplatzes. Wer sie einbezieht, findet Entlastung, die keine Software liefert.
  • Fachkräfte gewinnen und halten. Recruiting, das bei den Motiven und Wechselhürden der Fachkräfte ansetzt. Wie die Diakonie Nord Nord Ost auf diesem Weg rund 150 Pflege- und Fachkräfte für einen neuen Pflegecampus gewonnen hat, steht im Artikel über Design Thinking in der Sozialwirtschaft.
  • Neue Versorgungsangebote. Angebote für chronisch Kranke, digitale Begleitung, sektorenübergreifende Versorgung. Bevor viel Geld in eine Lösung fließt, wird sie klein mit Betroffenen getestet.
  • Medizinprodukte und digitale Anwendungen. Geräte und Apps, die im Alltag von Patientinnen und Personal funktionieren müssen.

Bekannte Beispiele

Bekannte Fälle zeigen, was die Perspektive der Nutzerinnen und Nutzer bewirken kann. GE Healthcare hat MRT-Räume für Kinder als Abenteuerlandschaften gestaltet, damit Kinder die Untersuchung weniger fürchten. Und ein Team um Studierende der Stanford d.school hat einen günstigen Inkubator für Frühgeborene entwickelt, der dort funktioniert, wo es keine stabile Stromversorgung gibt. Beide Fälle stehen ausführlicher in den Design-Thinking-Beispielen aus der Praxis.

Was im Gesundheitswesen anders ist

Sicherheit geht vor

Ein Prototyp darf niemanden gefährden. Getestet wird deshalb zuerst mit Simulationen, Rollenspielen, Papierprototypen und in Bereichen ohne medizinisches Risiko, etwa bei Information, Wegeführung oder Terminvergabe. Für alles, was die Behandlung berührt, gelten die Regeln der Medizin und der Qualitätssicherung.

Viele Berufsgruppen, klare Hierarchien

Ärztinnen, Pflege, Therapie, Verwaltung und Technik arbeiten nach eigenen Logiken. Design Thinking braucht gemischte Teams, in denen alle gleichberechtigt beitragen. Dafür muss die Leitung den Rahmen schaffen und selbst mitmachen.

Wenig Zeit

Niemand auf einer Station hat zwei freie Tage für einen Workshop. Formate müssen kurz sein und sich in den Dienstplan einfügen: Mikro-Workshops von zwei Stunden, Beobachtungen während der Schicht, Tests im laufenden Betrieb.

Datenschutz

Gespräche mit Patientinnen und Patienten und Beobachtungen auf Stationen brauchen Einwilligung und Sorgfalt. Gesundheitsdaten gehören zu den am stärksten geschützten Daten. Interviews werden deshalb so geführt und dokumentiert, dass keine Rückschlüsse auf einzelne Personen möglich sind.

Wie ein Prozess beginnt

Mit einer konkreten Frage, die der Klinik, Praxis oder Einrichtung unter den Nägeln brennt: Warum verlassen uns neue Pflegekräfte im ersten Jahr? Warum beschweren sich Angehörige über die Entlassung? Warum kommen Patientinnen unvorbereitet zur Aufnahme? Dann folgen Gespräche und Beobachtungen, ein Workshop mit einem gemischten Team, erste Prototypen und ein kleiner Test auf einer Station. Nach einigen Wochen gibt es Ergebnisse, über die die Leitung entscheiden kann. Die Phasen beschreibt der Artikel Design Thinking einfach erklärt.

Typische Fallen

  • Die Lösung steht schon fest. Wenn die neue Software bereits gekauft ist, testet der Prozess nur noch die Schulung.
  • Nur die Leitungsebene im Raum. Die Menschen, die die Abläufe täglich erleben, fehlen.
  • Patientensicht als Umfrage. Ein Fragebogen nach der Entlassung zeigt Zufriedenheit, aber selten die Gründe. Gespräche und Beobachtungen zeigen sie.

Wie wir dabei arbeiten

Wir begleiten Träger und Einrichtungen in Pflege und Gesundheit bei Innovationsprozessen, beim Recruiting und bei der Gestaltung von Arbeitsplätzen, mit Formaten, die in den Schichtbetrieb passen. Die Angebote stehen unter TfT Impact. Was Leitung in sozialen Organisationen leisten muss, steht im Artikel über Führung in der Sozialwirtschaft, wie KI bei der Dokumentation entlasten kann, im Artikel über KI in der Sozialwirtschaft.

Häufige Fragen

Passt Design Thinking zu evidenzbasierter Medizin?

Ja, für die Fragen, die neben der Behandlung liegen: Abläufe, Kommunikation, Arbeitsorganisation, Angebote. Für die Behandlung selbst gelten die Methoden der Medizin. Design Thinking ergänzt sie dort, wo es um das Erleben von Menschen geht.

Wie viel Zeit braucht das Personal?

Weniger als gedacht. Kurze Workshops, Beobachtungen in der Schicht und Tests im laufenden Betrieb lassen sich in den Alltag einfügen.

Für welche Einrichtungen eignet es sich?

Für Kliniken, Pflegeeinrichtungen, ambulante Dienste, Praxen und Medizinische Versorgungszentren, für Krankenkassen und für Hersteller von Medizinprodukten und digitalen Anwendungen.

Für eure Einrichtung

Abläufe von Patientinnen und Personal her entwickeln

Mikro-Workshops, Beobachtungen in der Schicht, Tests im laufenden Betrieb. Für Kliniken, Pflege und ambulante Dienste.

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Geschrieben von Simon Steiner

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