In der Sozialwirtschaft werden viele Leitungen aus der Fachlichkeit heraus besetzt. Die erfahrene Pflegefachkraft wird Wohnbereichsleitung, der Sozialarbeiter mit den meisten Jahren übernimmt die Einrichtung. Fachlich sind sie die Richtigen. Auf die Führungsaufgabe hat sie oft niemand vorbereitet: Dienstpläne mit zu wenig Personal, Gespräche mit Beschäftigten an der Belastungsgrenze, Verhandlungen mit Kostenträgern, Berichte an den Vorstand. Führungskräfteentwicklung in der Sozialwirtschaft setzt hier an.
Was Führung in sozialen Organisationen besonders macht
- Viele Auftraggeber. Klientinnen und Angehörige, Kostenträger, Träger, Aufsicht, oft ein ehrenamtlicher Vorstand. Ihre Erwartungen widersprechen sich häufig.
- Fachlichkeit und Wirtschaftlichkeit. Was fachlich geboten ist, wird nicht immer refinanziert. Leitungen müssen das täglich ausbalancieren.
- Personalnot. In vielen Bereichen fehlen Fachkräfte. Dann gehört zur Führung auch, Prioritäten zu setzen, die niemanden glücklich machen.
- Hauptamt und Ehrenamt. Beide Gruppen haben eigene Motive, Zeiten und Erwartungen an Führung.
- Hohe Werteorientierung. Die Beschäftigten arbeiten aus Überzeugung. Das ist eine Stärke, und es macht Veränderungen schwerer, wenn sie wie ein Angriff auf diese Überzeugung wirken.
Welche Fähigkeiten Leitung hier braucht
Teams in Knappheit führen
Prioritäten offen setzen, Überlastung ansprechen, bevor sie zu Krankmeldungen und Kündigungen führt, und das Team an Entscheidungen beteiligen, die seine Arbeit betreffen. Dazu gehört der Mut, Aufgaben zu streichen.
Arbeitsplätze gestalten, die Menschen halten
Wer Fachkräfte halten will, muss wissen, was sie bleiben lässt. Die Beschäftigten sind die Nutzerinnen und Nutzer ihres Arbeitsplatzes, und Methoden aus dem Design Thinking helfen, ihre Sicht systematisch einzuholen. Wie die Diakonie Nord Nord Ost so rund 150 Pflege- und Fachkräfte für einen neuen Pflegecampus gewonnen hat, steht im Artikel über Design Thinking in der Sozialwirtschaft.
Unternehmerisch denken
Neue Angebote entwickeln, Finanzierungswege erschließen, Partner gewinnen. Leitungen in der Sozialwirtschaft sind oft unternehmerischer, als sie selbst glauben. Effectuation gibt dafür eine Sprache und Werkzeuge: mit vorhandenen Mitteln anfangen, den leistbaren Einsatz festlegen, Partner früh einbinden. Eine Einführung gibt der Artikel Was ist Effectuation?.
Veränderung im laufenden Betrieb
Ein neues Dokumentationssystem, ein neues Gesetz, ein neuer Standort: Veränderungen kommen in der Sozialwirtschaft selten mit eigener Zeit. Leitungen müssen sie neben dem Alltag umsetzen. Wie Organisationen das anlegen, steht im Artikel über Transformation in Sozialunternehmen und Genossenschaften.
Mit Ungewissheit arbeiten
Förderungen laufen aus, Gesetze ändern sich, Kostensätze werden neu verhandelt. Wer in dieser Lage nur plant, wird ständig überrascht. Hilfreicher ist die Fähigkeit, in kurzen Schritten zu entscheiden und nachzusteuern. Mehr dazu im Artikel über komplizierte und komplexe Probleme.
Führungskräfteentwicklung, die zum Alltag passt
Programme, die fünf Tage am Stück verlangen, funktionieren im Schichtdienst kaum. Was besser passt:
- Kurze Module mit Anwendung dazwischen. Ein Tag Training, dann einige Wochen, in denen die Leitung etwas in ihrer Einrichtung ausprobiert, dann Auswertung.
- Lernen am eigenen Vorhaben. Jede Leitung bringt eine echte Frage aus ihrer Einrichtung mit.
- Peer-Gruppen über Einrichtungen und Träger hinweg. Leitungen haben oft niemanden auf Augenhöhe, mit dem sie sprechen können. Kollegiale Beratung ändert das.
- Teamleitungen einbeziehen. Die mittlere Ebene setzt um. Wird nur die Einrichtungsleitung entwickelt, bleibt vieles hängen.
Das Reallabor-Programm, das wir für die Wir bauen Zukunft eG entwickelt haben, folgt diesem Muster: mehrtägige Module, Experimente im eigenen Unternehmen zwischen den Modulen, Buddys zur gegenseitigen Begleitung und strukturierte Reflexion. Der Fall beschreibt es.
Wie wir dabei arbeiten
Wir entwickeln Programme für Leitungen und Teams in Trägern, Sozialunternehmen, Genossenschaften und Vereinen, mit Effectuation, Design Thinking und Piratize. Gemeinnützige zahlen bei uns 20 Prozent weniger. Die Formate stehen unter TfT Impact. Offene Kurse laufen in der Zukunftsakademie, etwa Inner Development Goals für Teams und Zukunftsmut: Resilienz und Selbstwirksamkeit. Wie Führung im Neuen in Unternehmen entwickelt wird, steht im Artikel über Führungskräfteentwicklung für Innovation.
Häufige Fragen
Was unterscheidet Führung in der Sozialwirtschaft von Führung in Unternehmen?
Mehr Auftraggeber mit widersprüchlichen Erwartungen, Finanzierung über Dritte, eine starke Werteorientierung der Beschäftigten und oft das Nebeneinander von Haupt- und Ehrenamt.
Wie lange dauert ein Programm?
Ein Einstieg ist mit einem Workshop möglich. Programme mit Anwendung im eigenen Haus laufen über einige Monate.
Gibt es Förderung?
Für Beratung und Weiterbildung in kleinen und mittleren Organisationen gibt es Programme, die einen Teil der Kosten übernehmen. Welches passt, hängt von Rechtsform und Vorhaben ab.