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Design Thinking

03. Oktober 2026 · 4 Min. Lesezeit

Design Thinking in der Schule: Wie Lehrkräfte Projekte mit echten Problemen in den Unterricht holen

Design Thinking passt gut in die Schule: Schülerinnen und Schüler arbeiten an einem echten Problem, sprechen mit den Menschen, die es betrifft, bauen Lösungen und testen sie. Hier steht, wie ein Projekt im Unterricht abläuft, was es für verschiedene Altersstufen braucht, wie man es bewertet und wie Lehrkräfte die Methode lernen.

Schule soll Kinder und Jugendliche darauf vorbereiten, Probleme zu lösen, die heute noch niemand kennt. Im Stundenplan stehen trotzdem meist Aufgaben, deren Lösung die Lehrkraft schon weiß. Design Thinking dreht das um. Die Schülerinnen und Schüler bekommen eine offene Frage aus ihrer eigenen Umgebung, finden heraus, was die Betroffenen brauchen, entwickeln Ideen und prüfen sie an echten Menschen. Am Ende steht ein Prototyp, den jemand ausprobiert hat. Wie der Prozess grundsätzlich funktioniert, steht im Artikel Design Thinking einfach erklärt.

Was Schülerinnen und Schüler dabei lernen

  • Perspektiven wechseln. Wer eine Fünftklässlerin, den Hausmeister oder eine Mutter interviewt, merkt schnell, dass andere ein Problem ganz anders sehen.
  • Gute Fragen stellen. Aus einem diffusen Ärger eine Frage machen, die sich bearbeiten lässt. Das Werkzeug dafür sind Wie-können-wir-Fragen, beschrieben im Artikel über die Wie-können-wir-Frage.
  • Im Team Ideen entwickeln und dabei auch die leisen Stimmen hören.
  • Bauen und testen. Eine Idee wird erst greifbar, wenn sie als Modell, Rollenspiel oder Skizze vor jemandem liegt.
  • Mit Rückmeldung umgehen. Ein Test, bei dem die Idee durchfällt, ist ein Ergebnis. Das zu erleben, nimmt die Angst vor Fehlern.

Wie ein Projekt im Unterricht abläuft

Eine Frage aus dem Umfeld der Schule

Gute Fragen liegen nah: Wie können wir den Schulhof für die Pause der Jüngeren besser machen? Wie können wir neuen Schülerinnen den Start erleichtern? Wie kommen mehr Kinder sicher mit dem Rad zur Schule? Die Frage muss so offen sein, dass mehrere Lösungen möglich sind, und so nah, dass die Schülerinnen und Schüler mit Betroffenen sprechen können.

Verstehen und beobachten

Die Gruppen führen Interviews, beobachten den Schulhof in der Pause, fotografieren, sammeln Zitate. Ein einfacher Leitfaden hilft, damit aus dem Interview kein Verhör wird. Diese Phase braucht Zeit, und sie ist die wichtigste.

Verdichten

Aus den Beobachtungen wird eine Person, für die die Gruppe eine Lösung sucht, und eine Frage, die ihr Problem beschreibt.

Ideen und Prototypen

Viele Ideen sammeln, eine auswählen, sie bauen: aus Pappe, Papier, Knete, als kurzes Rollenspiel oder als Plakat. Welches Material sich bewährt, steht im Artikel über das Prototyping-Material.

Testen und vorstellen

Die Gruppe zeigt den Prototyp den Menschen, für die er gedacht ist, und schreibt auf, was sie gesagt und getan haben. Am Ende präsentiert jede Gruppe, was sie gelernt hat, und was sie als Nächstes ändern würde.

Ein solches Projekt passt in einen Projekttag, in eine Projektwoche oder in mehrere Doppelstunden über einige Wochen. Wie man einen Workshop-Tag taktet, zeigt der Artikel über den Ablauf eines Design-Thinking-Workshops.

Für welche Altersstufen

In der Grundschule funktioniert eine vereinfachte Form mit wenigen Schritten, viel Bauen und einer Frage aus dem Klassenzimmer. In der Sekundarstufe I sind Projekte über mehrere Wochen möglich, mit Interviews außerhalb der eigenen Klasse. In der Oberstufe und an Berufsschulen lohnen Partner von außen, etwa ein Betrieb, eine Kommune oder ein Verein, die eine echte Frage mitbringen und die Ergebnisse ernst nehmen.

Wie man Design-Thinking-Projekte bewertet

Bewertet wird der Prozess: die Qualität der Interviews, die Begründung der Frage, der Umgang mit dem Test, die Reflexion am Ende. Ein Lerntagebuch oder ein Prozessplakat je Gruppe macht das sichtbar. Ob die Lösung genial ist, spielt eine kleinere Rolle als die Frage, ob die Gruppe aus dem Test etwas gelernt hat.

Die Rolle der Lehrkraft

Die Lehrkraft moderiert, gibt Zeit vor, stellt Rückfragen und hält aus, dass Gruppen in Sackgassen laufen. Das ist für viele ungewohnt. Am schwersten fällt meist die Verstehen-Phase, in der die Schülerinnen und Schüler sofort Lösungen wollen und die Lehrkraft sie zurück zu den Menschen schicken muss.

Typische Fallen

  • Die Frage ist zu groß. „Wie retten wir das Klima?“ überfordert. „Wie bringen wir mehr Leute aus unserer Klasse dazu, mit dem Rad zu kommen?“ lässt sich bearbeiten.
  • Ideen ohne Gespräche. Wenn die Verstehen-Phase gekürzt wird, entwickeln die Gruppen Lösungen für sich selbst.
  • Bastelstunde. Der Prototyp wird schön, aber niemand testet ihn.

Wie Lehrkräfte die Methode lernen

Am besten, indem sie selbst einmal ein Projekt als Teilnehmende durchlaufen, mit einer Frage aus dem eigenen Schulalltag, und danach ihr erstes eigenes Projekt mit Begleitung planen. Fortbildungen für ein ganzes Kollegium bringen am meisten, weil danach mehrere Lehrkräfte dieselbe Sprache sprechen und sich gegenseitig unterstützen. Wie man Multiplikatorinnen und Multiplikatoren ausbildet, steht im Artikel über Train-the-Trainer für Innovationsmethoden.

Wie wir dabei arbeiten

Wir entwickeln Formate, in denen Lehrende Design Thinking selbst erleben und für ihre eigene Lehre übersetzen, für Hochschulen, Fortbildungsinstitute und Schulnetzwerke. Die Angebote stehen unter TfT Campus. Wie die Methode an Hochschulen eingesetzt wird, steht im Artikel über Design Thinking in der Hochschullehre. Fertiges Material für Projekte im Klassenraum beschreibt der Artikel über das DT Starter Kit.

Häufige Fragen

Ab welchem Alter funktioniert Design Thinking?

In vereinfachter Form schon in der Grundschule. Je älter die Schülerinnen und Schüler, desto offener darf die Frage sein und desto mehr Gespräche außerhalb der Schule sind möglich.

In welchem Fach passt Design Thinking?

In fast jedem, besonders gut in fächerübergreifenden Projekten, in Technik, Gesellschaftslehre, Kunst und in Projektwochen.

Braucht man besonderes Material?

Nein. Papier, Stifte, Klebezettel, Pappe und Klebeband reichen für den Anfang.

Für Lehrende

Design Thinking selbst erleben und übersetzen

Fortbildungsformate für Hochschulen, Fortbildungsinstitute und Schulnetzwerke, in denen Lehrende ihr erstes eigenes Projekt planen.

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Geschrieben von Simon Steiner

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