Wer Design Thinking, Effectuation oder agile Arbeitsweisen in einer großen Organisation verankern will, hat ein Mengenproblem. Zehn Workshops pro Jahr mit externer Moderation erreichen zweihundert Leute. Eine Organisation mit zehntausend Beschäftigten braucht etwas anderes: Multiplikatorinnen und Multiplikatoren aus dem eigenen Haus, die die Methoden so beherrschen, dass sie sie weitergeben können, und zwar in gleichbleibender Qualität. Genau das leistet ein Train-the-Trainer-Programm, wenn es richtig gebaut ist. Woran das hängt, steht hier.
Was Train-the-Trainer von einer Methodenschulung unterscheidet
Eine Methodenschulung bringt Menschen dazu, eine Methode anzuwenden. Ein Train-the-Trainer-Programm bringt sie dazu, andere darin anzuleiten. Das sind zwei verschiedene Fähigkeiten. Wer selbst gut interviewt, kann noch lange keine Gruppe durch eine Interviewphase führen, mit Zeitdruck, Widerstand und drei Leuten, die lieber diskutieren als rausgehen. Dazu kommt die Dramaturgie: Ein Trainer muss wissen, warum ein Baustein an dieser Stelle steht und was passiert, wenn man ihn weglässt.
Ein Programm hat deshalb drei Schichten: die Methode selbst, das Anleiten einer Gruppe, und ein gemeinsames Set an Bausteinen, das die Qualität hält, wenn zwanzig verschiedene Menschen das Training geben.
Wie ein Programm aufgebaut ist
Erst selbst erleben
Die künftigen Trainerinnen und Trainer durchlaufen das Training zuerst als Teilnehmende, an einem echten Problem. Wer die Verunsicherung in der Verstehen-Phase nicht selbst gespürt hat, kann sie später bei anderen nicht aushalten.
Dann die Dramaturgie verstehen
Jeder Baustein wird aufgeklappt: Was soll hier passieren, welche Fragen kommen, welche Abkürzungen nehmen Gruppen, wie holt man sie zurück. Beim Hochschultag des Hochschulverbands Hessen (QUIS) war das die Dramaturgie je Workshop: kurzer, starker Input, angeleitete Anwendung, Reflexion, Transfer. Mit dieser Reihenfolge liefen vier parallele Sessions zu vier Methoden für rund 150 Teilnehmende mit derselben Qualität. Der Fall beschreibt das Format.
Dann in geschütztem Rahmen anleiten
Die Trainerinnen und Trainer moderieren einzelne Bausteine vor der eigenen Gruppe, bekommen Rückmeldung und wiederholen. Das ist der Teil, der am häufigsten gestrichen wird, weil er Zeit kostet, und der Teil, der über die Qualität entscheidet.
Dann mit Begleitung im Echtbetrieb
Das erste eigene Training läuft mit einer erfahrenen Person im Hintergrund. Danach reicht ein Austauschformat, in dem die Trainerinnen und Trainer ihre Erfahrungen zusammenbringen und das Material weiterentwickeln.
Woran die Qualität hängt
Für die Deutsche Telekom haben wir agile Arbeitsweisen über ein Train-the-Trainer-Programm in die Breite gebracht. Die Frage war, wie man das in einer großen Organisation skaliert, ohne dass jede Trainerin und jeder Trainer eine eigene Version unterrichtet. Das Ergebnis waren Multiplikatorinnen und Multiplikatoren mit einheitlichem Qualitätsstandard. Der Fall steht auf unserer Case-Seite. Was sich daraus und aus anderen Programmen als Regel ziehen lässt:
- Gemeinsame Bausteine, keine Skripte. Ein Skript macht Trainer zu Vorlesern. Bausteine mit Ziel, Ablauf, typischen Fallen und Varianten lassen Spielraum und halten trotzdem die Linie.
- Reduktion auf Prinzipien. Wer zwanzig Methoden lehren soll, lehrt keine. Kernprinzipien und Handlungslogiken zuerst, der Methodenkatalog als Nachschlagewerk.
- Transfer als fester Baustein. Jedes Training endet mit der Frage, was ab morgen anders läuft. Das gilt für die Teilnehmenden und für die Trainerinnen und Trainer selbst.
- Auswahl nach Haltung, nicht nach Position. Die besten Multiplikatoren sind selten die, die sich zuerst melden, und selten die, die die Leitung vorschlägt. Es sind die, die Fragen aushalten und Gruppen mögen.
- Material, das im Haus bleibt. Vorlagen, Checklisten und Arbeitsmaterial gehören der Organisation, nicht der Beratung. Sonst endet das Programm mit dem Vertrag.
Für wen sich ein Train-the-Trainer-Programm lohnt
Für Konzerne und große Mittelständler, die agile Arbeitsweisen oder Innovationsmethoden über viele Standorte und Teams bringen wollen. Für Hochschulen, die Lehrende zu Multiplikatorinnen und Multiplikatoren machen wollen, damit Design Thinking in der Betriebswirtschaft genauso läuft wie in der Sozialen Arbeit; wie die Lehre selbst aufgebaut wird, steht im Artikel über Design Thinking in der Hochschullehre. Für Verwaltungen, die Innovations- und Beteiligungsmethoden im eigenen Haus halten wollen, statt für jedes Vorhaben eine Moderation einzukaufen; wie das in Ämtern funktioniert, steht im Artikel über Design Thinking in der Verwaltung. Und für Verbände und Netzwerke, die ihre Mitglieder in kurzer Zeit auf ein gemeinsames Methodenlevel bringen wollen.
Wie wir dabei arbeiten
Wir bauen Train-the-Trainer-Programme für Unternehmen, Hochschulen und Verwaltungen, von der Auswahl der Multiplikatorinnen und Multiplikatoren über das Bausteinsystem bis zur Begleitung der ersten eigenen Trainings. Einzelne Personen, die Methoden und Anleiten lernen wollen, finden offene Formate in der Zukunftsakademie; wer die Trainings später selbst plant, bekommt das Handwerkszeug im Artikel über Innovationsworkshop moderieren. Die Angebote für Unternehmen stehen unter TfT Corporate, die für Hochschulen unter TfT Campus.
Häufige Fragen
Wie lange dauert ein Train-the-Trainer-Programm?
Von einem kompakten Format über wenige Tage bis zu einem Programm über mehrere Monate mit begleiteten Echttrainings. Die Länge hängt davon ab, wie viele Methoden und wie viele Trainerinnen und Trainer gemeint sind.
Wie viele Multiplikatoren braucht eine Organisation?
Weniger als gedacht. Ein Dutzend gut ausgebildete Personen, die regelmäßig trainieren, erreichen mehr als hundert, die es einmal gelernt haben und nie anwenden.
Brauchen die Trainer eine Zertifizierung?
Nein. Was zählt, ist, ob sie Gruppen durch den Prozess führen können. Ein hausinternes Qualitätsformat, in dem Trainings beobachtet und besprochen werden, wirkt mehr als ein Zertifikat.