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Design Thinking

03. Oktober 2026 · 5 Min. Lesezeit

Design Thinking in der Hochschullehre: Vom Einzelseminar zum Programm, das Studierende etwas können lässt

Design Thinking steht in vielen Modulhandbüchern. Ob danach jemand ein Problem anders angeht, entscheidet die Dramaturgie der Lehrveranstaltung. Hier steht, wie die Methode in Lehre und Weiterbildung Anwendung erzeugt, wo es hakt und wie eine Hochschule das in die Breite bringt.

Hochschulen haben mit Design Thinking ein eigenes Problem: Die Methode wurde für die Praxis entwickelt, wird in der Lehre aber oft als Theorie unterrichtet. Zwei Vorlesungen über den Prozess, eine Prüfung über die Phasen, fertig. Studierende können danach die sechs Schritte aufsagen und haben noch nie einen Nutzer interviewt. Das Gegenteil ist der Projektkurs ohne Rahmen, in dem Gruppen wochenlang an einer Idee basteln, die niemand getestet hat. Zwischen beiden liegt eine Lehrdramaturgie, die sich in Hochschulen, Business Schools und Weiterbildungsprogrammen bewährt hat. Sie steht hier.

Was Design Thinking in der Lehre leistet, wenn es richtig aufgesetzt ist

Design Thinking bringt drei Dinge in eine Lehrveranstaltung, die Vorlesung und Seminar schwer erzeugen. Studierende arbeiten an einem echten Problem mit echten Menschen, die sie befragen. Sie erleben, dass ihre erste Idee den ersten Test nicht übersteht und die dritte besser ist, und lernen damit etwas über Annahmen, das keine Prüfung abfragt. Und sie arbeiten in gemischten Teams an etwas Sichtbarem, einem Prototyp, der sich zeigen und kritisieren lässt.

Für die Lehre folgt daraus umgekehrt: Ohne echtes Problem, ohne Kontakt zu Nutzerinnen und Nutzern und ohne Prototyp bleibt von der Methode ein Vokabular übrig. Das Vokabular ist in zwei Stunden gelernt. Der Rest braucht ein Format.

Die Dramaturgie, die Anwendung erzeugt

Als der Hochschulverband Hessen (QUIS) für einen Hochschultag mit rund 150 Teilnehmenden vier parallele Innovationstrainings wollte, zu Design Thinking, Effectuation, Blue Ocean Strategy und Scrum, war die Gefahr klar: Methoden-Bingo, viel Inspiration, wenig Umsetzung. Dazu wechselnde Gruppen mit sehr unterschiedlichen Vorkenntnissen und die Anforderung, dass überall dieselbe Qualität herauskommt. Was dort funktioniert hat, funktioniert auch in einem Semester.

Kurzer, starker Input

Die Theorie passt in eine knappe Einheit. Alles, was länger ist, geht auf Kosten der Anwendung. Kernprinzipien und Handlungslogiken statt Methoden-Overload: Warum zuerst verstehen, warum Annahmen aufschreiben, warum billig testen. Der Methodenkatalog kommt später, wenn jemand ihn braucht.

Angeleitete Anwendung

Direkt nach dem Input wird gearbeitet, an einer Aufgabe, die klein genug ist, um in der Zeit etwas zu erreichen, und echt genug, um zu zählen. Ein Interview in der Mensa, ein Papierprototyp, ein Test mit der Nachbargruppe. Die Lehrperson moderiert und greift ein, wenn eine Gruppe in die Theorie flüchtet.

Reflexion

Was ist passiert, was hat überrascht, welche Annahme ist gefallen. Dieser Schritt wird am häufigsten gestrichen, wenn die Zeit knapp wird, und er ist der, in dem das Lernen stattfindet.

Transfer

Die Leitfrage jeder Session beim QUIS-Hochschultag lautete: Was heißt das ab morgen in deinem Kontext? In der Lehre ist das die Frage nach dem nächsten Schritt im eigenen Projekt, in der Abschlussarbeit, im Praktikum. Ohne diese Frage endet die Veranstaltung mit einem guten Gefühl und ohne Folgen.

Das Ergebnis in Hessen: vier parallele Sessions mit echter Anwendung, ein gemeinsames Methoden-Vokabular über alle Gruppen hinweg, konkrete nächste Schritte. Das Format ist wiederholbar, wenn viele Menschen schnell auf einen gemeinsamen Stand sollen. Der ganze Fall steht auf unserer Case-Seite.

Wo Design Thinking in der Hochschule hakt

  • Prüfungsordnung gegen Prozess. Eine Klausur fragt Wissen ab, Design Thinking erzeugt Können. Geeignet sind Portfolio, Prototyp mit Dokumentation und Reflexionsbericht. Wo die Ordnung nur Klausuren kennt, hilft eine Kombination: Klausur über Prinzipien, Projektleistung über den Prozess.
  • Semesterrhythmus gegen Iteration. Vierzehn Wochen mit einer Sitzung pro Woche zerreißen den Prozess. Besser sind Blöcke: zwei bis drei ganze Tage für Verstehen und Ideen, dann Wochen für Prototyp und Test, dann ein Abschlussblock.
  • Problem ohne Nutzer. Eine Aufgabe, die die Lehrperson ausgedacht hat, hat keine Menschen, die man befragen könnte. Echte Partner aus Stadt, Verwaltung, Vereinen oder Unternehmen liefern Probleme mit Nutzerinnen und Nutzern und bekommen dafür Ergebnisse, die sie brauchen können.
  • Lehrende ohne eigene Erfahrung. Wer die Methode nur aus Büchern kennt, unterrichtet sie als Theorie. Das ist kein Vorwurf, es ist der häufigste Fall, und er lässt sich mit einem Train-the-Trainer-Format beheben. Wie, steht im Artikel über Train-the-Trainer für Innovationsmethoden.
  • Methode ohne Haltung. Design Thinking bringt Studierende dazu, Fragen zu stellen, danebenzuliegen und weiterzumachen. Das verträgt sich schlecht mit einer Lehrkultur, in der Fehler Punktabzug bedeuten. Die Haltung der Lehrperson ist Teil des Formats.

Vom Seminar zum Programm

Ein einzelnes Seminar erreicht eine Gruppe. Wenn eine Hochschule will, dass Innovationskompetenz zum Profil gehört, braucht sie drei Ebenen. Erstens Module, in denen die Methode mit echten Partnern angewendet wird, im Curriculum verankert, nicht als Wahlfach am Rand. Zweitens Lehrende, die die Methode selbst beherrschen und sie in ihren Fächern einsetzen, von der Betriebswirtschaft bis zur Sozialen Arbeit. Drittens Formate für die Hochschule selbst: Studiengangsentwicklung, Verwaltungsabläufe, Teamzusammenführungen, bei denen die Methode intern wirkt. Für die ESCP Business School haben wir in der Executive Education zwei Teams mit sehr verschiedenen Arbeitskulturen zu einer Einheit begleitet, mit Workshops, Offsites und systemischen Formaten; am Ende stand ein Operating Model, das im Alltag hält. Der Fall zeigt, wie das lief.

Was wir für Hochschulen anbieten

Für Hochschulen, Business Schools und Akademien entwickeln wir Module und Curricula, moderieren Innovationstrainings vom Hochschultag bis zur Semesterbegleitung, betreuen Consultancy-Projekte mit externen Partnern und qualifizieren Lehrende als Multiplikatorinnen und Multiplikatoren. Die Formate stehen auf der Seite TfT Campus. Wer das eigene Seminar zuerst allein aufsetzen will, findet die Bausteine im Artikel über Design-Thinking-Workshop-Methoden und die Material-Checkliste in der Workshop-Checkliste.

Häufige Fragen

Wie viele Studierende passen in ein Design-Thinking-Seminar?

Für die Arbeit in Teams sind 20 bis 30 Personen gut, in Teams von vier bis fünf. Größere Kohorten werden parallelisiert; beim QUIS-Hochschultag liefen vier Sessions für rund 150 Teilnehmende gleichzeitig.

Lässt sich Design Thinking prüfen?

Ja, über Prozess und Ergebnis: dokumentierte Interviews, Prototypen mit Testprotokoll, Reflexionsbericht. Eine Klausur über die Phasen prüft Vokabular, nicht Können.

Brauchen wir einen Design-Thinking-Raum?

Nein. Ein Seminarraum mit beweglichen Tischen, Wänden zum Bekleben und Material reicht. Was dazugehört, steht in der Checkliste; gesammelt gibt es das als Makerbox.

Passt das auch für Executive Education?

Besonders dort. Führungskräfte bringen echte Probleme mit, die Aufgabe ist dann, sie an die Nutzerinnen und Nutzer ihrer Entscheidungen heranzuführen, bevor sie entscheiden.

Für euer Programm

Module, Hochschultage und Lehrenden-Qualifizierung

Modul- und Curriculumentwicklung, Innovationstrainings vom Hochschultag bis zur Semesterbegleitung, Betreuung von Consultancy-Projekten. Sagt uns, was euer Programm braucht.

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Geschrieben von Simon Steiner

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