Der klassische Gründungskurs folgt einem Muster: Idee finden, Markt analysieren, Businessplan schreiben, vor einer Jury präsentieren. Studierende lernen dabei viel über Planung und wenig darüber, wie Unternehmen tatsächlich entstehen. Die Forscherin Saras Sarasvathy hat untersucht, wie erfahrene Gründerinnen und Gründer Entscheidungen treffen. Sie planen wenig voraus, starten mit dem, was sie haben, gewinnen früh Partner und machen aus Überraschungen Material. Sarasvathy nennt diese Logik Effectuation, und sie hat die Entrepreneurship Education an vielen Hochschulen verändert. Mehr zur Forscherin steht im Artikel über Saras Sarasvathy, die Theorie im Artikel Was ist Effectuation?.
Was Studierende lernen sollten
Unternehmerisch handeln müssen viele, die nie ein eigenes Unternehmen gründen: Angestellte, die in einem Konzern ein neues Geschäftsfeld aufbauen, Sozialarbeiterinnen, die ein Projekt finanzieren, und Verwaltungsleute, die einen Ablauf neu erfinden. Die Fähigkeiten dahinter sind dieselben.
- Gelegenheiten erkennen in Problemen, die andere für gegeben halten.
- Mit vorhandenen Mitteln anfangen: Was weiß ich, wen kenne ich, was kann ich, und was kann ich mir leisten zu verlieren?
- Partner gewinnen, die sich mit eigenen Mitteln beteiligen und damit die Richtung mitbestimmen.
- Früh mit Kundinnen und Kunden sprechen und Annahmen testen, bevor viel Geld fließt.
- Mit Rückschlägen arbeiten, statt sie zu verstecken.
Wie man diese Fähigkeiten aufbaut, beschreibt der Artikel Unternehmerisches Denken lernen, was sie im Berufsalltag ausmacht, der Artikel über unternehmerische Handlungsfähigkeit.
Formate, die wirken
Projekte mit echten Problemen
Studierende arbeiten an Fragen von Unternehmen, Verwaltungen oder sozialen Organisationen, mit echten Ansprechpersonen und echtem Feedback. Die Partner bekommen frische Perspektiven, die Studierenden erleben, wie wenig ein Plan übersteht, sobald echte Menschen ins Spiel kommen.
Gründungsprojekte mit erstem Kundenkontakt
Teams entwickeln eine eigene Idee und müssen innerhalb des Semesters mit möglichen Kundinnen sprechen, einen Prototyp testen, im besten Fall eine erste Zusage oder Bestellung bekommen. Gemessen wird, was draußen passiert ist.
Übungen zur Effectuation-Logik
Kurze Formate, in denen Studierende mit begrenzten Mitteln unter Zeitdruck etwas starten müssen. Sie machen die Prinzipien erlebbar, bevor sie erklärt werden. Beispiele stehen im Artikel über Effectuation-Übungen.
Design Thinking als Werkzeug
Für das Verstehen von Kundinnen und Kunden und das Testen von Ideen liefert Design Thinking die Methoden. Wie es in der Lehre eingesetzt wird, steht im Artikel über Design Thinking in der Hochschullehre.
Reflexion als Prüfungsleistung
Bewertet wird, was Studierende aus ihren Versuchen gelernt haben: Welche Annahme war falsch, was haben sie daraufhin geändert, was würden sie beim nächsten Mal anders machen? Das lässt sich nicht von einem Sprachmodell schreiben lassen. Wie KI Prüfungen insgesamt verändert, steht im Artikel über KI in der Hochschullehre.
Lehre und Gründungsförderung verbinden
Viele Hochschulen haben ein Gründungszentrum, das Teams berät, Räume bietet und bei Programmen wie EXIST unterstützt. Lehre und Gründungsförderung arbeiten trotzdem oft getrennt. Studierende, die im Kurs eine vielversprechende Idee entwickeln, finden den Weg ins Gründungszentrum nicht, und das Gründungszentrum sucht Teams, die in der Lehre längst existieren. Eine gemeinsame Planung von Kursen und Beratungsangeboten schließt diese Lücke, etwa mit Projektkursen, deren beste Teams direkt in ein Gründungsprogramm wechseln können.
Was oft schiefgeht
- Der Businessplan als Herzstück. Ein Plan ist ein Werkzeug unter vielen. Als Kern eines Kurses lehrt er Planung, wo Handeln gefragt wäre.
- Nur für die Wirtschaftswissenschaften. Viele Gründungen und viele soziale Innovationen kommen aus Technik, Gestaltung, Sozialer Arbeit und Naturwissenschaften.
- Gründen als einziges Ziel. Wer Entrepreneurship Education nur an der Zahl der Gründungen misst, übersieht die Studierenden, die unternehmerisch handelnd in Organisationen gehen.
- Theorie ohne Kontakt nach draußen. Ein Semester ohne ein einziges Gespräch mit einer möglichen Kundin vermittelt Wissen über Unternehmertum, aber keine Erfahrung.
Wie wir dabei arbeiten
Wir übernehmen Lehraufträge und Gastdozenturen, entwickeln Module und Curricula und betreuen Consultancy-Projekte, mit Effectuation, Design Thinking und Piratize als didaktisch anschlussfähigen Frameworks. Gelehrt haben und lehren wir unter anderem an der TU Berlin, der HTW Berlin, der CAU Kiel und der ESCP Business School. Die Formate stehen unter TfT Campus. Für Lehrende, Gründungsberaterinnen und Studierende gibt es offene Kurse in der Zukunftsakademie, etwa Entrepreneurship Essentials und Effectuation Basics.
Häufige Fragen
Was ist Entrepreneurship Education?
Lehre, die Menschen befähigt, unternehmerisch zu handeln: Gelegenheiten zu erkennen, mit begrenzten Mitteln etwas zu starten und es unter Ungewissheit weiterzuentwickeln. Gründen ist eines der möglichen Ergebnisse.
Kann man Unternehmertum lernen?
Die Forschung zur Effectuation zeigt, dass erfahrene Gründerinnen und Gründer einer erlernbaren Logik folgen. Talent hilft, aber die Prinzipien lassen sich üben, am besten an echten Vorhaben.
Für welche Studiengänge eignet sich das?
Für alle. Besonders viel bewegt es in Fächern, in denen Studierende sonst wenig Berührung mit Unternehmertum haben, etwa in Technik, Gestaltung oder Sozialer Arbeit.