Wer eine Ausbildung beginnt, kommt in eine Welt aus Abläufen, Regeln und Erfahrenen, die alles besser wissen. Das ist richtig so, denn das Handwerk muss gelernt werden. Gleichzeitig suchen Betriebe Fachkräfte, die mitdenken, Probleme ansprechen und Verbesserungen vorschlagen. Diese Haltung entsteht selten von allein nach drei Jahren Anweisungen. Sie lässt sich aber von Anfang an üben, mit Formaten, die Auszubildenden echte Verantwortung in einem überschaubaren Rahmen geben.
Was unternehmerisches Denken für Auszubildende bedeutet
- Hinsehen. Merken, wo ein Ablauf hakt, eine Kundin unzufrieden ist oder Material verschwendet wird.
- Etwas ausprobieren. Eine Verbesserung vorschlagen und in kleinem Rahmen testen.
- Mit Geld und Zeit umgehen. Ein kleines Budget verwalten und am Ende sagen können, was es gebracht hat.
- Andere gewinnen. Kolleginnen, Ausbilder und andere Abteilungen für eine Idee gewinnen.
- Verantwortung übernehmen. Für ein Ergebnis einstehen, auch wenn es nicht so geworden ist wie gedacht.
Typische Situationen aus verschiedenen Berufen, auch aus der Ausbildung, stehen im Artikel Unternehmerisches Denken und Handeln: Beispiele.
Formate, die funktionieren
Azubi-Projekte mit echtem Auftrag
Eine Gruppe von Auszubildenden bekommt eine echte Frage aus dem Betrieb, ein kleines Budget und einige Wochen Zeit. Die Frage kann aus jedem Bereich kommen: Wie gewinnen wir mehr Bewerbungen von Schülerinnen aus der Region? Wie verringern wir Verpackungsmüll im Lager? Welches Produkt fehlt unserer Kundschaft? Am Ende stellt die Gruppe der Geschäftsführung vor, was sie ausprobiert hat und was dabei herauskam.
Die Juniorfirma
Auszubildende führen ein kleines Unternehmen im Unternehmen, etwa einen Verkaufsstand, einen internen Service oder ein eigenes Produkt. Sie übernehmen Einkauf, Verkauf, Buchhaltung und Marketing selbst, mit Begleitung durch die Ausbildung. Juniorfirmen gibt es in vielen Ausbildungsbetrieben, besonders in kaufmännischen Berufen. Sie lassen sich auf gewerbliche Berufe übertragen.
Kundenkontakt von Anfang an
Wer weiß, wofür die Kundschaft bezahlt, denkt anders über die eigene Arbeit. Ein Tag im Kundenservice, ein Besuch bei einem Kunden oder die Mitarbeit an einem Messestand verändern den Blick.
Ein Verbesserungsvorschlag pro Ausbildungsjahr
Jede und jeder Auszubildende sucht sich im Ausbildungsjahr eine Stelle im Betrieb, an der etwas besser laufen könnte, probiert eine Lösung aus und dokumentiert das Ergebnis. Der Vorschlag fließt in die Ausbildungsnachweise ein und wird mit der Ausbilderin besprochen.
Die Rolle der Ausbilderinnen und Ausbilder
Ausbilderinnen und Ausbilder geben den Rahmen vor, halten aus, dass Auszubildende Umwege gehen, und helfen bei der Auswertung. Sie stellen Fragen und halten sich mit Lösungen zurück: Was hast du beobachtet? Was willst du ausprobieren? Was darf es kosten? Was hast du gelernt? Viele Ausbilderinnen und Ausbilder haben ihre eigene Ausbildung anders erlebt und brauchen selbst Werkzeuge dafür. Ein kurzes Training in den Grundlagen unternehmerischen Denkens hilft, beschrieben im Artikel über das Seminar zu unternehmerischem Denken.
Was der Betrieb davon hat
Auszubildende, die unternehmerisch denken lernen, bringen Ideen aus einer Perspektive ein, die erfahrene Beschäftigte nicht mehr haben. Sie bleiben eher, wenn sie merken, dass ihre Vorschläge zählen. Und der Betrieb sieht früh, wer Verantwortung übernehmen will, für spätere Führungsaufgaben oder die Nachfolge. Wie unternehmerisches Denken bei allen Beschäftigten gefördert wird, steht im Artikel Unternehmerisches Denken und Handeln bei Mitarbeitenden fördern.
Typische Fallen
- Das Projekt ohne Folgen. Die Azubis präsentieren, die Geschäftsführung lobt, niemand setzt etwas um. Beim nächsten Jahrgang glaubt keiner mehr daran.
- Die Aufgabe ist zu groß. „Entwickelt ein neues Produkt“ überfordert. „Findet heraus, was unseren Stammkunden fehlt“ lässt sich bearbeiten.
- Kein echtes Budget. Ohne eigenes Geld bleibt das Projekt eine Übung.
Wie wir dabei arbeiten
Wir entwickeln mit Ausbildungsbetrieben Projektformate für Auszubildende und trainieren Ausbilderinnen und Ausbilder in unternehmerischem Denken auf Grundlage der Effectuation-Forschung. Die Formate stehen unter TfT Corporate. Die Grundlagen für einzelne Personen beschreibt der Artikel Unternehmerisches Denken lernen.
Häufige Fragen
Ab welchem Ausbildungsjahr funktioniert das?
Ab dem ersten. Im ersten Jahr reichen kleine Verbesserungsvorschläge, ab dem zweiten Jahr eignen sich Gruppenprojekte und eine Juniorfirma.
Passt das auch in gewerbliche und technische Berufe?
Ja. Dort geht es oft um Abläufe, Material und Qualität, und die Ergebnisse lassen sich gut messen.
Wie viel Zeit kostet ein Azubi-Projekt?
Einige Stunden pro Woche über einige Wochen, dazu Zeit der Ausbilderin für die Begleitung. Der Betrieb legt den Rahmen vorher fest.