Intrapreneurship ist unternehmerisches Handeln innerhalb einer bestehenden Organisation. Ein Intrapreneur erkennt eine Gelegenheit, entwickelt daraus ein neues Produkt, einen Service oder ein Geschäftsfeld und treibt es voran, mit den Mitteln des Unternehmens und oft gegen dessen Routinen. Der Begriff setzt sich aus „intra“ für innerhalb und „Entrepreneur“ zusammen. Bekannt gemacht hat ihn der US-Berater Gifford Pinchot in den 1980er-Jahren, unter anderem mit dem Buch „Intrapreneuring“.
Intrapreneurship und Entrepreneurship im Vergleich
Beide bauen etwas Neues auf, unter Ungewissheit und mit begrenzten Mitteln. Die Unterschiede liegen in den Bedingungen.
- Risiko. Die Gründerin setzt eigenes Geld und oft ihre Existenz ein. Der Intrapreneur riskiert vor allem Zeit, Ansehen und Karriere, das Geld kommt vom Unternehmen.
- Ressourcen. Intrapreneure können auf Kundschaft, Marke, Technik und Fachleute des Unternehmens zugreifen. Dafür müssen sie andere überzeugen, diese Ressourcen herzugeben.
- Freiheit. Die Gründerin entscheidet allein oder mit ihren Partnern. Der Intrapreneur bewegt sich in Freigaben, Budgetrunden und Zuständigkeiten.
- Eigentum und Gewinn. Das Neue gehört dem Unternehmen. Ob der Intrapreneur am Erfolg beteiligt wird, regelt der Arbeitgeber.
Was beide verbindet, ist die Denklogik: mit dem anfangen, was da ist, den leistbaren Einsatz festlegen, Partner gewinnen, Überraschungen nutzen. Die Forschung zur Effectuation beschreibt sie für Gründerinnen und Gründer, und im Unternehmen funktioniert sie ebenso. Eine Einführung gibt der Artikel Was ist Effectuation?, den Vergleich mit klassischer Planung der Artikel Effectuation vs. Causation.
Bekannte Beispiele
Post-it bei 3M
Ein Chemiker bei 3M entwickelte Ende der 1960er-Jahre einen Klebstoff, der nur schwach haftete, und fand lange keine Verwendung dafür. Ein Kollege nutzte ihn Jahre später für Lesezeichen, die nicht aus seinem Gesangbuch fielen. Aus dieser Verbindung entstanden die Haftnotizen, die 3M 1980 auf den Markt brachte. 3M ist auch bekannt dafür, Beschäftigten Zeit für eigene Projekte zu lassen.
PlayStation bei Sony
Ein Ingenieur bei Sony trieb die Entwicklung einer eigenen Spielkonsole voran, obwohl das Thema im Konzern umstritten war. Aus dem Vorhaben wurde die PlayStation und eines der wichtigsten Geschäftsfelder des Unternehmens.
Beide Fälle zeigen ein Muster: Die Idee entstand nah an der Arbeit, sie brauchte Jahre und Fürsprecher, und sie hätte ohne den Spielraum, den die Person hatte oder sich nahm, nicht überlebt.
Was Intrapreneurship im Unternehmen braucht
Intrapreneure gibt es in fast jedem Unternehmen. Ob sie ihre Ideen im Haus umsetzen oder mit ihnen gehen, hängt an den Bedingungen: Zeit und ein kleines Budget für Versuche, Zugang zu Kundschaft und Fachleuten, eine Führung, die schützt, und klare Regeln, was aus einem erfolgreichen Vorhaben wird. Die Bedingungen im Einzelnen und wie ein Unternehmen mit einem ersten Vorhaben anfängt, stehen im Artikel Intrapreneurship fördern. Wie unternehmerisches Denken bei allen Beschäftigten gestärkt wird, auch bei denen, die kein eigenes Vorhaben aufbauen, steht im Artikel Unternehmerisches Denken und Handeln bei Mitarbeitenden fördern.
Intrapreneurship ist ein Teil von Corporate Entrepreneurship, also allen Wegen, auf denen ein Unternehmen unternehmerisch Neues schafft. Dazu gehören auch eigene Venture-Einheiten und Beteiligungen an Start-ups. Den Überblick gibt der Artikel über Corporate Entrepreneurship.
Wie wir dabei arbeiten
Wir begleiten Unternehmen dabei, Intrapreneure zu finden und ihre Vorhaben zu entwickeln, und wir trainieren Teams und Führungskräfte in unternehmerischem Denken und Handeln auf Grundlage der Effectuation-Forschung. Die Formate stehen unter TfT Corporate. Was Führung dafür können muss, beschreibt der Artikel über Führungskräfteentwicklung für Innovation.
Häufige Fragen
Was ist ein Intrapreneur?
Eine angestellte Person, die in ihrem Unternehmen ein neues Vorhaben aufbaut und vorantreibt, mit unternehmerischer Haltung und den Mitteln des Arbeitgebers.
Was ist der Unterschied zwischen Intrapreneur und Entrepreneur?
Der Entrepreneur gründet ein eigenes Unternehmen und übernimmt das finanzielle Risiko selbst. Der Intrapreneur baut etwas im bestehenden Unternehmen auf, nutzt dessen Ressourcen und arbeitet innerhalb seiner Regeln.
Wie heißt Intrapreneurship auf Deutsch?
Gebräuchlich sind „Unternehmertum im Unternehmen“ oder „Mitunternehmertum“. Meist wird der englische Begriff verwendet.