Unternehmerisch denken und handeln bedeutet im Kern: eine Gelegenheit oder ein Problem erkennen, mit den vorhandenen Mitteln etwas dagegen tun, andere dafür gewinnen und die Verantwortung für das Ergebnis übernehmen. Das kann eine Gründerin, und das kann eine Pflegekraft, ein Facharbeiter oder eine Sachbearbeiterin. Die folgenden Beispiele sind typische Situationen aus dem Arbeitsalltag und beschreiben keine bestimmten Unternehmen. Sie zeigen, wie unternehmerisches Handeln in verschiedenen Rollen aussieht.
Beispiele aus verschiedenen Berufen
Im Vertrieb
Ein Außendienstler merkt, dass mehrere Kunden dieselbe Maschine nach einigen Jahren mit Ersatzteilen anderer Anbieter reparieren. Er fragt bei drei Kunden nach, warum, und erfährt, dass ihnen die Wartung zu kompliziert zu bestellen ist. Er schlägt seiner Chefin einen einfachen Wartungsvertrag vor und bietet ihn den drei Kunden zur Probe an. Zwei unterschreiben. Daraus wird ein neues Angebot.
In der Produktion
Eine Schichtleiterin sieht, dass an einer Anlage regelmäßig Ausschuss entsteht, weil Material falsch vorbereitet ankommt. Sie verabredet mit der Kollegin aus dem Lager einen Versuch über zwei Wochen mit einer anderen Kennzeichnung, misst den Ausschuss vorher und nachher und stellt das Ergebnis in der Schichtbesprechung vor.
In der Verwaltung
Ein Sachbearbeiter bekommt jede Woche dieselben Rückfragen zu einem Formular. Er schreibt mit zwei Kolleginnen eine verständlichere Ausfüllhilfe, testet sie mit einigen Antragstellern und legt sie seiner Amtsleitung mit der Zahl der Rückfragen vor und nach dem Test vor.
In der Pflege
Eine Pflegefachkraft merkt, dass neue Kolleginnen in den ersten Wochen immer dieselben Fragen stellen. Sie sammelt die Fragen, schreibt mit zwei erfahrenen Kollegen eine kurze Einarbeitungsmappe und bittet die nächsten beiden Neuen um Rückmeldung. Die Wohnbereichsleitung übernimmt die Mappe für das ganze Haus.
In der Ausbildung
Zwei Auszubildende im Einzelhandel schlagen vor, die Kundschaft nach Produkten zu fragen, die sie im Laden vermisst. Mit einem kleinen Budget bestellen sie drei Artikel probeweise und werten nach einem Monat den Verkauf aus. Wie Betriebe solche Projekte anlegen, steht im Artikel über unternehmerisches Denken in der Ausbildung.
In der Führung
Eine Abteilungsleiterin hat ein Budget für eine externe Schulung. Sie gibt es nicht ganz aus und investiert einen Teil in einen Test: Zwei Leute aus dem Team besuchen das Training und geben es danach an die anderen weiter. Funktioniert das, spart sie im nächsten Jahr die Hälfte und hat zwei Multiplikatoren im Haus.
In der Sozialen Arbeit
Ein Sozialarbeiter in einem Jugendzentrum merkt, dass Jugendliche aus einem Viertel nie kommen. Er wartet nicht auf eine Förderung für ein neues Projekt und verabredet mit dem Sportverein im Viertel einen gemeinsamen Nachmittag pro Woche, mit Räumen des Vereins und eigener Zeit. Nach einem Monat kommen die ersten Jugendlichen ins Zentrum.
Was die Beispiele gemeinsam haben
Die Forscherin Saras Sarasvathy hat untersucht, wie erfahrene Gründerinnen und Gründer handeln. Die Prinzipien, die sie beschreibt, finden sich in allen Beispielen wieder.
- Mit dem anfangen, was da ist. Niemand wartet auf ein neues Budget oder eine Genehmigung für ein Großprojekt.
- Den leistbaren Einsatz festlegen. Zwei Wochen, drei Kunden, drei Artikel: Der Versuch ist so klein, dass ein Fehlschlag niemandem schadet.
- Partner gewinnen. Die Kollegin aus dem Lager, der Sportverein, die erfahrenen Kollegen bringen etwas ein und bestimmen mit.
- Überraschungen nutzen. Die Rückfragen, der Ausschuss, die fehlenden Jugendlichen sind Hinweise, die andere übersehen.
- Gestalten. Niemand hat vorher berechnet, ob es klappt. Der Versuch hat es gezeigt.
Die Prinzipien im Einzelnen erklärt der Artikel über die Effectuation-Prinzipien. Beispiele von Gründerinnen und Gründern, die so vorgegangen sind, stehen in den Effectuation-Fallbeispielen.
Was mit unternehmerischem Denken nicht gemeint ist
- Unbezahlte Mehrarbeit. Wer abends länger bleibt, handelt deswegen noch nicht unternehmerisch.
- Kosten drücken um jeden Preis. Wer bei der Kundschaft oder bei Kolleginnen spart, verschiebt nur Kosten.
- Alleingänge. Unternehmerisches Handeln holt andere dazu. Wer an allen vorbei entscheidet, verliert die Partner, die einen Versuch erst möglich machen.
Wie Unternehmen das fördern
Unternehmerisches Handeln braucht Spielraum, offene Zahlen, einen festgelegten Einsatz für Versuche und eine Führung, die Versuche schützt. Was Unternehmen dafür tun können, steht im Artikel Unternehmerisches Denken und Handeln bei Mitarbeitenden fördern. Wer selbst anfangen will, findet Übungen im Artikel Unternehmerisches Denken lernen.
Wir trainieren Teams, Führungskräfte und Auszubildende in unternehmerischem Denken und Handeln, an Vorhaben aus dem eigenen Haus. Die Formate stehen unter TfT Corporate, offene Kurse in der Zukunftsakademie, etwa Effectuation Basics.
Häufige Fragen
Was ist unternehmerisches Denken, einfach erklärt?
Eine Gelegenheit oder ein Problem erkennen, mit den vorhandenen Mitteln etwas dagegen tun, andere dafür gewinnen und für das Ergebnis einstehen.
Ist unternehmerisches Denken nur etwas für Führungskräfte?
Die Beispiele zeigen, dass es in jeder Rolle vorkommt, oft dort, wo jemand nah an der Kundschaft oder am Ablauf arbeitet.
Wie beschreibe ich unternehmerisches Denken in einer Bewerbung?
Mit einem konkreten Beispiel: welches Problem du gesehen hast, was du mit welchen Mitteln ausprobiert hast, wen du dazugeholt hast und was dabei herauskam. Ein Beispiel überzeugt mehr als das Wort.