Im Handwerk wird Innovation oft mit neuer Technik gleichgesetzt: die Wärmepumpe, der 3D-Drucker in der Zahntechnik, die App für die Zeiterfassung. Diese Neuerungen kommen meist von Herstellern, und der Betrieb muss mitziehen. Mindestens genauso wichtig ist die Innovation, die der Betrieb selbst gestaltet: wie er seine Kundschaft gewinnt, welche Leistungen er anbietet, wie er arbeitet und wie er junge Leute für sich begeistert. Hier entscheidet sich, ob ein Betrieb in zehn Jahren noch besteht.
Wo Innovation im Handwerk ansetzt
- Nachwuchs und Fachkräfte. Wie erfährt eine Schülerin, dass es den Betrieb gibt? Was sieht ein Quereinsteiger, wenn er auf die Website schaut? Wie lange dauert es von der Bewerbung bis zur Zusage?
- Leistungen und Geschäftsmodell. Wartungsverträge zusätzlich zu Einzelaufträgen, Komplettpakete mit anderen Gewerken, Beratung als eigene Leistung, Angebote für Sanierung und Energie.
- Kundenerlebnis. Terminvergabe, Angebotsdauer, Information während der Arbeiten, Nachbetreuung. Viele Kunden entscheiden nach diesen Dingen mindestens so sehr wie nach dem Preis.
- Abläufe. Materialbestellung, Fahrtwege, Dokumentation, Rechnungsstellung. Hier lässt sich mit einfachen digitalen Werkzeugen und KI viel Zeit sparen.
- Nachfolge. Ein Betrieb, der für die nächste Generation attraktiv sein soll, braucht ein Geschäftsmodell, das sie weiterführen will.
Wie ein Handwerksbetrieb Innovation organisiert
In einem Betrieb mit zehn oder zwanzig Leuten gibt es keine Innovationsabteilung, und der Meister hat keine freien Nachmittage. Was funktioniert, ist ein fester, kleiner Rahmen.
Eine Frage für das Jahr
Zum Beispiel: Wie gewinnen wir zwei Auszubildende? Oder: Wie verkaufen wir mehr Wartungsverträge? Eine Frage, an der der ganze Betrieb arbeitet, bringt mehr als viele Ideen auf einmal.
Die Kundschaft und die Leute fragen
Einige Gespräche mit Stammkunden und mit Auszubildenden aus der Berufsschule, dazu ein Abend mit den Gesellen. Gefragt wird, was sie stört, was sie sich wünschen, warum sie gekommen oder gegangen sind. Wie man solche Gespräche führt, steht im Artikel über das explorative Interview.
Klein ausprobieren
Ein Wartungsangebot für zehn Stammkunden, ein Praktikumstag mit einer Schule, ein neuer Ablauf für die Terminvergabe für einen Monat. Danach wird ausgewertet.
Die Auszubildenden einbinden
Auszubildende sehen den Betrieb mit frischem Blick und wissen, wie ihre Altersgruppe sucht und entscheidet. Ein Projekt, in dem sie mit kleinem Budget etwas ausprobieren, bringt Ideen und bindet sie an den Betrieb. Wie solche Projekte aussehen, steht im Artikel über unternehmerisches Denken in der Ausbildung.
Wer unterstützt
Viele Handwerkskammern beraten Betriebe zu Innovation, Technologie und Digitalisierung, oft kostenfrei. Für Beratung in kleinen und mittleren Unternehmen gibt es außerdem Förderprogramme von Bund und Ländern. Und Innungen und Kooperationen zwischen Betrieben machen möglich, was ein einzelner Betrieb allein nicht stemmen kann, etwa gemeinsame Angebote verschiedener Gewerke.
Woran es hängen bleibt
- Alles nebenbei. Ohne festen Termin im Kalender gewinnt immer der nächste Auftrag.
- Technik ohne Ablauf. Eine neue Software, die niemand richtig nutzt, weil sich die Arbeit dahinter nicht geändert hat.
- Nur der Chef denkt nach. Gesellen und Auszubildende haben Ideen, werden aber selten gefragt.
Wie wir dabei arbeiten
Wir arbeiten mit Handwerksbetrieben, Innungen und Kammern an Innovationsprozessen, Geschäftsmodellen und der Gewinnung von Nachwuchs, als Werkstatt von einem Tag oder als Programm für mehrere Betriebe. Was Innovationsberatung umfasst, steht auf der Seite Innovationsberatung. Wie ein mittelständischer Betrieb Innovation systematisch angeht, beschreibt der Artikel über Innovation im Mittelstand, wie KI im Betriebsalltag hilft, der Artikel über KI im Mittelstand.
Häufige Fragen
Welche Innovationen gibt es im Handwerk?
Technische wie neue Werkstoffe, Energietechnik und digitale Werkzeuge, organisatorische wie digitale Terminvergabe und Dokumentation, und neue Geschäftsmodelle wie Wartungsverträge oder Komplettangebote mit anderen Gewerken.
Wie viel Zeit braucht ein kleiner Betrieb dafür?
Einen Workshop-Tag im Jahr, einige Gespräche mit Kunden und Beschäftigten und eine monatliche halbe Stunde, in der ausgewertet wird, was ausprobiert wurde.
Wie gewinnt ein Handwerksbetrieb Auszubildende?
Indem er herausfindet, wie junge Leute in seiner Region suchen und entscheiden, und sein Angebot darauf ausrichtet. Die besten Ratgeber dafür sind die eigenen Auszubildenden.