Exnovation ist das bewusste, gestaltete Beenden von etwas Bestehendem. Was das bedeutet und woher der Begriff kommt, erklärt der Artikel Exnovation: Bedeutung und Herkunft. Hier geht es um Fälle. Sie zeigen, dass Aufhören in sehr verschiedenen Bereichen funktioniert, und sie zeigen die Muster, die dabei helfen.
Beispiele aus Unternehmen
Der Ideenfriedhof von Zotter
Der österreichische Schokoladenhersteller Zotter bringt regelmäßig neue Sorten heraus. Damit das Sortiment nicht endlos wächst, müssen andere gehen. Auf dem Firmengelände in der Steiermark gibt es dafür einen Ideenfriedhof, auf dem ausgelaufene und missglückte Sorten „beerdigt“ sind. Das Beispiel ist beliebt, weil es Innovation und Exnovation als ein System zeigt und das Aufhören mit Humor verbindet.
Eingestellte Google-Produkte
Google stellt regelmäßig Produkte ein, vom Feedreader Google Reader im Jahr 2013 bis zu zahlreichen Apps und Diensten. Eine eigene Website, „Killed by Google“, führt Buch darüber. Für Nutzerinnen ist das oft ärgerlich. Für das Unternehmen gehört es zur Arbeitsweise: Was sich nicht durchsetzt, wird beendet, damit Teams an anderem arbeiten können. Das Beispiel zeigt auch die Kehrseite: Wer Produkte beendet, ohne die Betroffenen mitzunehmen, verliert Vertrauen.
Der geplante Ausstieg in der IT
In vielen IT-Abteilungen wird bei der Einführung einer Software schon festgelegt, wann und wie sie wieder abgelöst wird: Supportende, Datenmigration, Archivierung. Diese Praxis ist Exnovation, nur heißt sie dort Lebenszyklusmanagement. Andere Bereiche der Organisation tun sich mit derselben Aufgabe deutlich schwerer.
Beispiele aus der Politik
FCKW und das Ozonloch
Mit dem Montrealer Protokoll von 1987 vereinbarten die Staaten, aus den ozonschädigenden FCKW auszusteigen. In Deutschland unterstützte Greenpeace Anfang der 1990er-Jahre die ostdeutsche Firma Foron bei einem FCKW-freien Kühlschrank, und die etablierten Hersteller zogen nach. Das Öko-Institut nennt den Fall als Beispiel dafür, dass ein Ausstieg leichter wird, wenn die Alternative vorher sichtbar ist.
Die Glühbirne
Die EU hat die klassische Glühbirne ab 2009 schrittweise vom Markt genommen, über steigende Mindestanforderungen an die Energieeffizienz. Ein ausdrückliches Verbot der Glühbirne war dafür nicht nötig. Der Fall zeigt, dass Exnovation auch über Standards funktioniert, die das Alte unwirtschaftlich oder unzulässig machen.
Atomkraft und Kohle
Nach der Katastrophe von Fukushima beschloss Deutschland 2011 den Ausstieg aus der Atomkraft, die letzten drei Kraftwerke gingen im April 2023 vom Netz. Für die Kohleverstromung legt ein Gesetz von 2020 das Ende spätestens für 2038 fest, mit Strukturhilfen für die betroffenen Regionen. Beide Fälle zeigen, wie viel ein Ausstieg kostet, wenn ganze Regionen und Berufe daran hängen, und warum Fristen, Ausgleich und Beteiligung dazugehören.
Bleifreies Benzin
Beim bleifreien Benzin blockierten sich die Beteiligten gegenseitig: Autos wurden nicht für bleifreies Benzin gebaut, weil die Tankstellen es nicht führten, Tankstellen führten es nicht, weil die Nachfrage fehlte, und die Fahrer fürchteten Motorschäden. Keiner konnte allein ausbrechen. Das Öko-Institut beschreibt den Fall als Lehrbeispiel dafür, dass Exnovation manchmal eine koordinierende Instanz braucht.
Beispiele aus dem Gesundheitswesen
In der Medizin heißt Exnovation meist De-Implementierung: das gezielte Aufhören mit Untersuchungen und Behandlungen, die nach heutigem Wissen wenig nutzen oder schaden. In den USA sammelt die Initiative Choosing Wisely solche Empfehlungen der Fachgesellschaften, in Deutschland die Initiative „Klug entscheiden“ der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin. Die Erfahrung dort: Neue Leitlinien reichen selten, Gewohnheiten, Abrechnungslogik und Erwartungen der Patientinnen halten das Alte am Leben. Wie Kliniken mit neuen Ideen umgehen, beschreibt der Artikel über Innovationsmanagement im Krankenhaus.
Beispiele aus Verwaltung, Kirche und Zivilgesellschaft
- Aufgabenkritik in der Verwaltung. Verwaltungen prüfen, welche Aufgaben sie noch wahrnehmen müssen und welche entfallen oder anders erledigt werden können. Mehr im Artikel über Verwaltungstransformation.
- Kirche und Diakonie. Gemeinden geben Gebäude auf, führen Gremien zusammen und beenden Angebote, um Kraft für Neues zu haben. Mehr im Artikel über Exnovation in Kirche und Diakonie.
- Organisationen, die sich selbst beenden. Manche gemeinnützige Organisationen lösen sich auf, wenn ihr Zweck erfüllt ist oder andere ihn besser erfüllen. Dafür ist der Begriff Sunsetting gebräuchlich.
Was die Beispiele gemeinsam haben
- Die Alternative ist sichtbar. Der FCKW-freie Kühlschrank, die neue Sorte, die Nachfolgesoftware. Aufhören fällt leichter, wenn klar ist, wofür der Platz gebraucht wird.
- Es gibt ein Enddatum. Ausschleichen mit einer klaren Frist schafft Planungssicherheit und verhindert, dass das Alte als Zombie weiterläuft.
- Die Betroffenen werden mitgedacht. Strukturhilfen in der Politik, Datenmigration in der IT, neue Aufgaben für die Menschen im Unternehmen.
- Das Ende wird sichtbar gemacht. Ein Friedhof, ein Verzeichnis, ein letzter Tag. Das klingt nach Kleinigkeit und hilft Menschen, loszulassen.
Wie Organisationen diese Muster nutzen, beschreibt der Artikel über Exnovation-Methoden, das konkrete Vorgehen beim Beenden eines Projekts der Artikel Projekte beenden.
Wie wir dabei arbeiten
Wir begleiten Organisationen dabei, ihr Portfolio zu sortieren und Projekte, Angebote und Strukturen bewusst zu beenden, mit Werkstätten, Begleitung und Vorträgen. Die Formate stehen auf der Seite Exnovation.
Häufige Fragen
Was ist ein gutes Beispiel für Exnovation im Unternehmen?
Der Ideenfriedhof von Zotter: Ein Hersteller, der ständig neue Sorten entwickelt, nimmt bewusst andere aus dem Sortiment und macht das Ende sichtbar.
Ist der Kohleausstieg Exnovation?
Ja. Er ist ein politisch beschlossener, zeitlich gestreckter Ausstieg aus einer Technologie und damit ein typischer Fall von Exnovation im Sinne der Nachhaltigkeitsforschung.
Gibt es Exnovation im Alltag einer Organisation?
Ständig, meist unbemerkt: ein Bericht, den niemand mehr liest, wird eingestellt, ein Meeting abgeschafft, ein Tool abgelöst. Exnovation macht daraus eine bewusste Praxis.