In einem Krankenhaus entstehen jeden Tag Ideen. Eine Pflegekraft hat einen Einfall für die Übergabe, eine Oberärztin will ein neues Behandlungspfad-Modell ausprobieren, ein Start-up bietet eine Software für die Bettenplanung an, die Geschäftsführung will Wartezeiten in der Notaufnahme senken. Die meisten dieser Ideen versanden, weil niemand zuständig ist, kein Budget bereitsteht und der Alltag keine Zeit lässt. Innovationsmanagement schafft den Weg, auf dem Ideen geprüft und erprobt werden, und sorgt dafür, dass gute Lösungen im Stationsalltag ankommen.
Was Innovationsmanagement im Gesundheitswesen besonders macht
- Patientensicherheit. Alles, was die Behandlung berührt, braucht Prüfung, Freigaben und oft Studien. Viele Innovationen beginnen deshalb besser in Bereichen ohne medizinisches Risiko: Organisation, Kommunikation, Wege, Information.
- Viele Berufsgruppen. Medizin, Pflege, Therapie, Verwaltung und Technik haben eigene Logiken und Hierarchien. Innovation braucht Teams, in denen alle gehört werden.
- Finanzierung. Neues muss sich in die Vergütungssysteme einfügen oder über Förderungen finanziert werden. Für neue Versorgungsformen gibt es etwa den Innovationsfonds beim Gemeinsamen Bundesausschuss.
- Regulierung und Datenschutz. Medizinprodukterecht, Datenschutz und IT-Sicherheit setzen Grenzen, die früh mitgedacht werden müssen.
- Knappe Zeit. Wer Innovationen von den Beschäftigten will, muss ihnen Zeit dafür geben, in einem System, das kaum Luft hat.
Wie Innovationsmanagement aufgebaut ist
Suchfelder festlegen
Die Geschäftsführung legt fest, wo das Haus Neues sucht: Fachkräfte halten, Abläufe in der Notaufnahme, Entlassung und Übergang, Digitalisierung der Dokumentation. Ohne Suchfelder sammelt das Haus Ideen zu allem.
Ideen sammeln und sichten
Ein einfacher Weg, auf dem Beschäftigte Ideen einreichen, und ein kleines Gremium, das regelmäßig entscheidet, welche erprobt werden. Wichtig ist eine schnelle Rückmeldung, auch wenn die Antwort Nein ist.
Klein erproben
Ausgewählte Ideen werden auf einer Station, in einem Bereich, für einige Wochen getestet, mit einer verantwortlichen Person und einer Frage, die der Test beantworten soll. Methoden dafür kommen aus dem Design Thinking; wie sie in Klinik und Pflege eingesetzt werden, steht im Artikel über Design Thinking im Gesundheitswesen.
Übernehmen oder beenden
Nach dem Test entscheidet das Gremium: ausweiten, anpassen oder beenden. Was ausgeweitet wird, bekommt Budget, eine Schulung für die Beschäftigten und einen Platz in den Standards.
Mit Partnern arbeiten
Start-ups, Hersteller, Hochschulen und andere Häuser bringen Lösungen und Wissen ein. Ein Krankenhaus, das klare Ansprechpersonen und einen Weg für Pilotprojekte hat, ist für sie ein attraktiver Partner.
Welche Rollen es braucht
Eine Person, die das Innovationsmanagement koordiniert und dafür einen festen Teil ihrer Arbeitszeit hat. Ansprechpersonen in den Bereichen, die Ideen aufnehmen und Tests begleiten, aus Pflege und Medizin gleichermaßen. Eine Geschäftsführung, die Suchfelder setzt, entscheidet und Zeit freigibt. Und Beschäftigte, die wissen, dass ihre Ideen gelesen werden.
Woran es hängen bleibt
- Das Ideenportal ohne Antwort. Vorschläge gehen ein, niemand meldet sich. Nach einem halben Jahr kommt keiner mehr.
- Technik vor Ablauf. Eine Software wird gekauft, bevor klar ist, welchen Ablauf sie verbessern soll.
- Nur die Ärzteschaft. Wenn Innovation als medizinisches Thema gilt, fehlt das Wissen der Pflege, die den größten Teil des Alltags gestaltet.
- Pilot ohne Übergang. Der Test läuft gut, dann endet das Projektbudget, und alles fällt zurück.
Wie wir dabei arbeiten
Wir begleiten Kliniken, Pflegeeinrichtungen und Träger beim Aufbau von Innovationsprozessen, moderieren Werkstätten mit gemischten Teams und qualifizieren Beschäftigte, die Innovationsmethoden im eigenen Haus anleiten. Die Angebote stehen unter TfT Impact. Wie Pflegeeinrichtungen neue Lösungen mit ihren Pflegekräften entwickeln, zeigt der Artikel über Innovation in der Pflege. Wie Beschäftigte Methoden selbst weitergeben, steht im Artikel über Train-the-Trainer für Innovationsmethoden.
Häufige Fragen
Braucht ein Krankenhaus eine eigene Innovationsabteilung?
Nicht zwingend. Eine koordinierende Person mit Zeit, Ansprechpersonen in den Bereichen und ein Gremium, das regelmäßig entscheidet, reichen für den Anfang.
Wie finanziert man Innovationsprojekte im Gesundheitswesen?
Kleine Tests aus einem eigenen Budget, größere Vorhaben über Förderprogramme oder Partnerschaften. Neue Versorgungsformen können über den Innovationsfonds beim Gemeinsamen Bundesausschuss gefördert werden.
Wie bindet man Pflege und Medizin gleichermaßen ein?
Mit gemischten Teams, Ansprechpersonen aus beiden Berufsgruppen und Formaten, die in Dienstpläne passen.