Im Tourismus ist jedes Angebot ein Erlebnis, das in einem Moment entsteht und vergeht. Gäste beurteilen die ganze Reise: die Buchung, die Anreise, den ersten Eindruck, das Wetterprogramm, die Abreise. Viele dieser Momente liegen nicht in der Hand eines einzelnen Betriebs. Innovation im Tourismus bedeutet deshalb oft, die Reise aus Sicht der Gäste zu verstehen und mit anderen gemeinsam besser zu machen.
Wo Innovation im Tourismus ansetzt
- Personal. Arbeitszeiten, Unterkünfte für Beschäftigte, Ganzjahresstellen, Quereinsteiger. Ohne Leute kein Betrieb.
- Saison. Angebote für die Nebensaison, für schlechtes Wetter, für Gruppen, die außerhalb der Ferien reisen.
- Gästeerlebnis. Buchung, Information, Begrüßung, Erlebnisse vor Ort, Nachbetreuung.
- Nachhaltigkeit. Anreise ohne Auto, regionale Produkte, Energie, Umgang mit Wasser und Müll. Viele Gäste fragen danach, und es senkt Kosten.
- Einheimische und Gäste. In beliebten Orten wird das Verhältnis zwischen beiden zum Thema. Angebote, die auch den Einheimischen nutzen, finden mehr Rückhalt.
Wie Betriebe und Destinationen neue Angebote entwickeln
Die Reise aus Sicht der Gäste nachzeichnen
Gespräche mit Gästen, Beobachtungen bei der Ankunft, Auswertung von Bewertungen. Eine Journey Map zeigt, an welchen Stellen Gäste unsicher werden, sich ärgern oder begeistert sind. Wie man sie erstellt, steht im Artikel über User Journey Mapping.
Mit anderen zusammenarbeiten
Hotel, Gastronomie, Freizeitangebote, Verkehr und Gemeinde gestalten zusammen die Reise. Eine Werkstatt mit allen, die an einer Etappe beteiligt sind, bringt Lösungen, die ein Betrieb allein nicht hinbekommt: ein gemeinsames Schlechtwetterprogramm, eine abgestimmte Anreise mit Bahn und Bus, ein Paket mit regionalen Partnern. Wie man solche Werkstätten moderiert, steht im Artikel Innovationsworkshop moderieren.
In einer Saison testen
Ein neues Angebot wird für einige Wochen erprobt, mit wenigen Gästen und einfacher Werbung. Danach wird ausgewertet: Wer hat gebucht, was haben die Gäste gesagt, was hat es gekostet?
Mit den vorhandenen Mitteln anfangen
Viele erfolgreiche touristische Angebote sind mit wenig Kapital und viel Kooperation entstanden. Die Logik dahinter beschreibt die Effectuation-Forschung. Beispiele aus dem Tourismus und der Erlebniswirtschaft stehen in den Artikeln über das Eishotel in Schweden und über das Festival, das das Watt rockte.
Die Rolle der Tourismusorganisationen
Tourismusorganisationen von Orten und Regionen können Innovation anstoßen, die ein einzelner Betrieb nicht stemmen kann: gemeinsame Werkstätten, Pilotprojekte mit mehreren Partnern, Daten über Gäste, Förderanträge. Damit das funktioniert, müssen sie die Betriebe früh beteiligen und deren Alltag kennen. Ein Konzept, das ohne die Betriebe entsteht, bleibt in der Schublade.
Woran es hängen bleibt
- Jeder für sich. Betriebe konkurrieren um Gäste und machen den Ort nicht gemeinsam attraktiv.
- Die Hochsaison frisst alles. Innovation braucht Zeit in der ruhigen Phase.
- Marketing vor Angebot. Eine Kampagne für ein Angebot, das noch niemand erlebt hat.
Wie wir dabei arbeiten
Wir begleiten Tourismusbetriebe, Tourismusorganisationen und Gemeinden bei Innovationsprozessen und moderieren Werkstätten mit allen Partnern einer Reise. Was Innovationsberatung umfasst, steht auf der Seite Innovationsberatung. Wie Kommunen Innovationsprozesse anlegen, beschreibt der Artikel über Innovationsprozesse in der Quartiersentwicklung, wie Einheimische beteiligt werden, der Artikel über Bürgerbeteiligung mit Werkstatt-Formaten.
Häufige Fragen
Welche Innovationen gibt es im Tourismus?
Digitale wie Onlinebuchung und Gästeinformation, organisatorische wie Ganzjahresstellen und Kooperationen zwischen Betrieben, und neue Angebote wie Erlebnisse in der Nebensaison oder Reisen ohne Auto.
Wie kann ein kleiner Betrieb innovativ sein?
Mit Gesprächen mit Gästen, kleinen Tests in einer Saison und Kooperationen mit Nachbarbetrieben. Dafür braucht es kein großes Budget.
Wer unterstützt Innovation im Tourismus?
Tourismusorganisationen, Kammern, Verbände und Förderprogramme der Länder. Welche Förderung passt, hängt vom Bundesland und vom Vorhaben ab.