KI steckt in vielen Betrieben schon in der Technik: im Melkroboter, der Auffälligkeiten meldet, in Kameras, die Unkraut von Kulturpflanzen unterscheiden, in Ertragskarten für die teilflächenspezifische Bewirtschaftung. Diese Anwendungen kommen mit der Maschine und werden von ihren Herstellern weiterentwickelt. Daneben gibt es eine zweite Art von KI, die jeder Betrieb ohne Investition in Technik nutzen kann: Sprachmodelle, die Texte schreiben, zusammenfassen, übersetzen und Fragen beantworten. Um diese zweite Art geht es hier, weil sie dort ansetzt, wo viele Betriebsleiterinnen und Betriebsleiter am meisten Zeit verlieren, am Schreibtisch.
Wo Sprachmodelle einem Betrieb Arbeit abnehmen
- Dokumentation und Schriftverkehr. Aus Stichworten einen Brief an die Behörde, eine Stellungnahme oder ein Protokoll machen, das der Betriebsleiter prüft und unterschreibt.
- Anträge und Förderprogramme verstehen. Lange Merkblätter und Richtlinien zusammenfassen lassen, Fragen dazu stellen, eine Checkliste der Unterlagen erstellen. Die verbindliche Auskunft kommt weiterhin von der zuständigen Stelle oder der Beratung.
- Direktvermarktung. Texte für den Hofladen, die Website, Social Media und den Newsletter. Antworten auf Kundenanfragen vorbereiten. Produktbeschreibungen in mehreren Varianten.
- Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Arbeitsanweisungen in einfacher Sprache oder in der Muttersprache von Saisonkräften, Stellenanzeigen, Einarbeitungsunterlagen.
- Entscheidungen vorbereiten. Varianten durchspielen: Was ändert sich, wenn wir einen Betriebszweig verkleinern, einen neuen aufnehmen, die Vermarktung umstellen? Ein Sprachmodell rechnet keine Betriebsplanung, aber es hilft, Fragen zu sortieren und nichts zu übersehen, bevor man mit der Beratung oder der Bank spricht.
Wo Vorsicht nötig ist
Sprachmodelle klingen sicher, auch wenn sie falsch liegen. Bei Rechtsfragen, Förderbedingungen, Fristen, Pflanzenschutz und Tiergesundheit kann ein Fehler teuer werden. Die Regel für den Betrieb ist einfach: KI liefert einen Entwurf oder eine erste Orientierung, die verbindliche Antwort kommt von der zuständigen Stelle, der Kammer, der Fachberatung oder dem Tierarzt.
Dazu kommt die Frage nach den Daten. Betriebsdaten, Flächen, Erträge und Verträge sind Geschäftsgeheimnisse. Wer sie in ein KI-Werkzeug gibt, sollte wissen, was der Anbieter damit tun darf. Für Daten von Beschäftigten gilt der Datenschutz wie in jedem anderen Unternehmen.
Wie ein Betrieb anfängt
Mit einer Aufgabe, die regelmäßig Zeit kostet und bei der ein Fehler auffällt, bevor er schadet: der Wochennewsletter für die Direktvermarktung, die Zusammenfassung eines Merkblatts, die Arbeitsanweisung für die Saisonkräfte. Ein paar Wochen ausprobieren, schauen, was funktioniert, dann die nächste Aufgabe. Wer mit mehreren Leuten im Betrieb arbeitet, legt gemeinsam fest, welche Werkzeuge genutzt werden und welche Daten hineindürfen.
Was Genossenschaften, Verbände und Kammern tun können
Viele Betriebe werden KI nicht allein einführen, sie brauchen jemanden, der zeigt, wie es geht. Genossenschaften, Molkereien, Erzeugergemeinschaften und Verbände können hier für ihre Mitglieder viel bewegen: praktische Schulungen an echten Aufgaben aus dem Betriebsalltag, gemeinsame Regeln für den Umgang mit Daten, ein Austausch, in dem Betriebe zeigen, was bei ihnen funktioniert hat. Organisationen, die KI selbst einsetzen, müssen nach der KI-Verordnung der EU seit Februar 2025 ohnehin für die KI-Kompetenz ihrer Beschäftigten sorgen.
KI und die Zukunft des Betriebs
KI löst keine der großen Fragen eines Betriebs: Preisdruck, Nachfolge, Arbeitskräfte, Klima. Sie verschafft Zeit, und diese Zeit lässt sich in die Arbeit am Betrieb stecken, in neue Standbeine, in die Vermarktung, in die nächste Generation. Wie Betriebe dabei vorgehen, steht im Artikel über Innovationen in der Landwirtschaft, wie man neue Standbeine von der Kundschaft her entwickelt, im Artikel über Design Thinking in der Landwirtschaft.
Wie wir dabei arbeiten
Wir arbeiten mit Betrieben, Genossenschaften, Verbänden und Kammern an Innovationsmethoden für den Betriebsalltag, als Werkstatt, Inhouse-Training oder Programm für Mitgliedsbetriebe. Schulungen zum Arbeiten mit KI bauen wir in diese Formate ein. Die Formate stehen unter TfT Agrar, die Angebote zu KI auf der Seite KI-gestützte Wissens- und Prozessarbeit. Wie ein mittelständisches Unternehmen KI einführt, steht im Artikel über KI im Mittelstand.
Häufige Fragen
Lohnt sich KI auch für kleine Betriebe?
Gerade dort, weil eine Person Betriebsleitung, Büro und Vermarktung zugleich macht. Die Werkzeuge für Texte und Zusammenfassungen kosten wenig und brauchen keine neue Technik.
Kann ich KI für Förderanträge nutzen?
Zum Verstehen der Unterlagen und für erste Entwürfe ja. Ob Angaben und Fristen stimmen, prüft man an der Quelle, bei der zuständigen Stelle oder der Beratung.
Was ist mit Feldrobotern und Drohnen?
Das ist die technische Seite von KI, die mit Maschinen und Software der Hersteller kommt. Ob sich eine solche Investition lohnt, ist eine Frage der Betriebsplanung und der Beratung durch Fachleute für Landtechnik.