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Innovationsmethoden

03. Oktober 2026 · 4 Min. Lesezeit

Innovation in der Pflege: Wie Einrichtungen neue Lösungen mit ihren Pflegekräften entwickeln

In der Pflege fehlen Fachkräfte, die Zahl der Pflegebedürftigen wächst, und die Dokumentation frisst Zeit. Neue Lösungen gibt es viele, von Robotik bis Quartierspflege. Was in einer Einrichtung funktioniert, wissen am besten die Pflegekräfte selbst. Hier steht, wo Innovation in der Pflege ansetzt, wie ein Prozess mit den Beschäftigten abläuft und wie eine Einrichtung so rund 150 Fachkräfte gewonnen hat.

Über Innovation in der Pflege wird viel geredet: Pflegeroboter, Sensoren im Zimmer, digitale Dokumentation, Telepflege. Manches davon hilft, manches steht nach dem Pilotprojekt im Keller. Ob etwas bleibt, hängt selten an der Technik und oft daran, ob die Menschen, die damit arbeiten sollen, an der Entwicklung beteiligt waren. Pflegekräfte wissen, was sie entlasten würde und was nur neue Arbeit macht. Innovation in der Pflege fängt deshalb bei ihnen an.

Wo Innovation in der Pflege ansetzt

  • Fachkräfte gewinnen und halten. Recruiting, Einarbeitung, Dienstplanmodelle, Wege zurück in den Beruf. Hier entscheidet sich, ob eine Einrichtung überhaupt arbeiten kann.
  • Arbeitsorganisation. Übergaben, Tourenplanung im ambulanten Dienst, Aufgabenverteilung zwischen Fach- und Hilfskräften, Pausen, die tatsächlich stattfinden.
  • Dokumentation. Weniger Doppelerfassung, Spracheingabe, Entwürfe aus Stichworten. Wie KI hier entlasten kann und welche Regeln gelten, steht im Artikel über KI in der Sozialwirtschaft.
  • Wohn- und Versorgungsformen. Pflege im Quartier, Wohngemeinschaften, Tagespflege, Verbindung mit Kita oder Nachbarschaft.
  • Angehörige. Information, Beratung, Entlastung für die vielen Menschen, die zu Hause pflegen.

Ein Fall: 150 Fachkräfte für einen neuen Pflegecampus

Die Diakonie Nord Nord Ost baute in Geesthacht ein Pflegezentrum mit 117 Einzelzimmern und eine integrative Kita mit 75 Plätzen, das größte Bauprojekt in 116 Jahren des Trägers. Für den Betrieb sollten rund 150 Pflege- und Fachkräfte gewonnen werden, in einem Markt, in dem diese Menschen überall fehlen. Mit Stellenanzeigen und einer Karriereseite war das nicht zu schaffen.

Über rund sechs Monate in den Jahren 2023 und 2024 haben wir mit der Diakonie eine Recruiting-Logik entwickelt, die bei den Pflegekräften ansetzt. Am Anfang standen viele Interviews: Wie entscheiden Pflegekräfte über einen Arbeitgeber, was zieht sie an, was hält sie ab? Danach kamen Beispiele aus anderen Branchen, die Menschen gewinnen, die überall gesucht werden. Die Gründe, aus denen Bewerberinnen abspringen, wurden offen benannt, auch die, die der Träger selbst verursacht. Ideen wurden an echten Menschen getestet, bevor sie in die Kampagne gingen.

Herausgekommen sind eine Recruiting-Architektur mit klaren Berührungspunkten und Botschaften, ein „Recruiting Tree“, der Wege und Hebel sichtbar macht, und ein „Jobwechselkit“, das die praktischen Hürden eines Wechsels senkt. Die Stellen konnten in der geplanten Größenordnung besetzt werden, der Campus hat 2025 eröffnet. Der Fall steht auf unserer Case-Seite.

Wie ein Innovationsprozess in einer Pflegeeinrichtung abläuft

Eine Frage, die wehtut

Warum kündigen neue Kolleginnen im ersten Jahr? Warum dauert die Übergabe so lange? Warum kommen keine Bewerbungen aus der Ausbildung? Die Frage kommt aus dem Alltag und ist so gestellt, dass mehrere Antworten möglich sind.

Mit den Pflegekräften sprechen und zuschauen

Interviews mit Pflegekräften, Bewohnerinnen und Angehörigen, Beobachtungen während der Schicht. Die Gespräche finden in der Dienstzeit statt, kurz und oft. Werkzeuge dafür kommen aus dem Design Thinking; wie sie in Klinik und Pflege eingesetzt werden, steht im Artikel über Design Thinking im Gesundheitswesen.

Klein testen

Ein neues Übergabeformat auf einem Wohnbereich für vier Wochen. Eine Einarbeitungsmappe für die nächsten zwei Neuen. Ein Gespräch mit Bewerberinnen in einem anderen Format. Was funktioniert, wird übernommen.

Ausweiten und verankern

Was sich bewährt hat, geht in andere Bereiche und wird Teil der Standards. Die Pflegekräfte, die es entwickelt haben, stellen es selbst vor.

Was Leitungen dafür brauchen

Innovation in der Pflege braucht Leitungen, die Zeit dafür freihalten, auch wenn der Dienstplan knapp ist, und die Ergebnisse aus Tests ernster nehmen als Gewohnheiten. Was Führung in der Sozialwirtschaft leisten muss, steht im Artikel über Führung in der Sozialwirtschaft, wie ein Träger insgesamt neue Antworten entwickelt, im Artikel über soziale Innovation.

Wie wir dabei arbeiten

Wir begleiten Träger und Einrichtungen in Pflege und Gesundheit bei Innovationsprozessen, beim Recruiting und bei der Gestaltung von Arbeitsplätzen, mit Formaten, die in den Schichtbetrieb passen. Gemeinnützige zahlen bei uns 20 Prozent weniger. Die Angebote stehen unter TfT Impact. Den Hintergrund zur Methode im Recruiting beschreibt der Artikel Fachkräftemangel mit Design Thinking beheben.

Häufige Fragen

Welche Innovationen gibt es in der Pflege?

Technische wie digitale Dokumentation, Sensorik und Assistenzsysteme, organisatorische wie neue Dienstplanmodelle und Übergabeformate, und soziale wie Pflege im Quartier oder neue Wohnformen. Viele der wirksamsten Innovationen sind organisatorisch.

Wie viel Zeit brauchen Pflegekräfte dafür?

Kurze Gespräche und Tests lassen sich in die Schicht einbauen. Für Workshops reichen Formate von zwei bis drei Stunden.

Gibt es Förderung?

Für Beratung in kleinen und mittleren Organisationen gibt es Programme, die einen Teil der Kosten übernehmen. Welches passt, hängt von Rechtsform und Vorhaben ab.

Für eure Einrichtung

Neue Lösungen mit euren Pflegekräften entwickeln

Innovationsprozesse, Recruiting und Arbeitsplatzgestaltung mit Formaten, die in den Schichtbetrieb passen. Gemeinnützige zahlen 20 % weniger.

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Geschrieben von Simon Steiner

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